Aussicht auf Rettungspaket beschert US-Börse dickes Plus
New York (Reuters) - Die Aussicht auf ein Staatsprogramm zur Rettung des US-Finanzsystems hat den Börsen in New York am Freitag deutliche Gewinne beschwert.
Investoren waren optimistisch, dass eine staatliche Abwicklungsbehörde mit der Übernahme fauler Kredite die chronischen Probleme der Finanzbranche lösen könne. Vor allem die zuletzt arg gebeutelten Bankentitel legten daraufhin deutlich zu. Zur Marktstabilisierung trug auch ein Verbot von Leerverkäufen bei. Positive Nachrichten gab es darüber hinaus aus dem Technologie-Sektor.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte 3,7 Prozent im Plus bei 11.425 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte gut vier Prozent auf 1255 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte 3,1 Prozent auf 2266 Punkte. Der Dax in Frankfurt legte infolge der guten Nachrichten aus den USA ebenfalls deutlich zu. Er schloss 5,6 Prozent im Plus bei 6189 Punkten.
Die Börse in New York setzte ihren Aufwärtstrend fort, der am Donnerstagnachmittag nach ersten Gerüchten über ein staatliches Rettungspaket begonnen hatte. US-Finanzminister Henry Paulson und Notenbank-Chef Ben Bernanke wollen am Wochenende mit dem Kongress einen Plan zur Schaffung einer staatlichen Abwicklungsbehörde erarbeiten, die faule Kredite übernimmt. In einem ersten Schritt kündigte Paulson eine Einlagensicherung über 50 Milliarden Dollar für Geldmarkfonds an. "Die Behörden gehen jetzt das systematische Risiko an, statt weiter mit kurzfristigen Aktionen zu reagieren", lobte Weston Boone von Stifel Nicolaus Capital Markets.
Besonders die zuletzt gebeutelten Finanzwerte legten deutlich zu. Bank of America, das zweitgrößte Institut des Landes, gewann gut 20 Prozent. Die Nummer drei JP Morgan gewann zwölf Prozent. Der vielbeachtete, Finanzsektor-Fonds SPDR stieg um rund 13 Prozent. Die Aktie der angeschlagenen US-Sparkasse Washington Mutual schoss um 30 Prozent in die Höhe. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, die Citigroup erwäge ein Gebot für die größte US-Sparkasse. Auch die Papiere von Citigroup, der größten US-Bank, lagen über 26 Prozent im Plus.
Für gute Stimmung an der Wall Street sorgte auch ein Verbot von Leerkäufen, das zunächst bis zum 2. Oktober gilt. "Das Verbot für Leerverkäufe wirkt sich direkt auf den Markt aus. Das sollte den Markt beruhigen", sagte Paul Mendelsohn von Windham Financial Services. Die Behörden würde damit Zeit schinden, bis die Einzelheiten des Paulson-Plans bekannt seien.
Zu den Gewinnern zählte außerdem der drittgrößte US-Softwarekonzern Oracle, dessen Papiere neun Prozent zulegten. Der SAP-Konkurrent hatte am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit einem überraschend deutlichen Gewinnsprung die Analystenerwartungen übertroffen. Auch der Umsatz von neuen Software-Lizenzen - ein wichtiger Indikator für das künftige Geschäft - stieg deutlich. Auch andere Unternehmen aus dem Technologiesektor verzeichneten Gewinne. Die Titel des iPhone- und iPod-Herstellers Apple gewannen rund sechs Prozent hinzu.
Enttäuschende Neuigkeiten gab es dagegen von den Anleiheversicherern MBIA und Ambac Financial. Die Ratingagentur Moody's erklärte, eine Herabstufung der beiden Konzerne in Erwägung zu ziehen. Die Papiere von MBIA verloren darauf rund drei Prozent, Ambac-Titel brachen um über 20 Prozent ein. Die Aktie des Konkurrenten AIG, der am Wochenanfang durch einen Milliardenkredit der US-Regierung gerettet wurde, schoss dagegen rund 45 Prozent nach oben.
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