Gewaltkriminalität unter Jugendlichen auf dem Vormarsch

Donnerstag, 22. Mai 2008, 15:46 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Gewaltbereitschaft Jugendlicher hat deutlich zugenommen.

Die Zahl der von ihnen verübten Gewalttaten stieg im vergangenen Jahr um knapp fünf Prozent, wie aus der am Donnerstag vorgestellten Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. Auch Mädchen werden danach immer brutaler.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble äußerte sich besorgt und erklärte, der übermäßige Alkoholkonsum vieler Jugendlicher spiele dabei eine wichtige Rolle. Jugendliche Gewalttäter müssten rasch und konsequent bestraft werden. Zugleich mahnte der CDU-Politiker mehr gesellschaftliches Engagement bei der Vermittlung von Werten an. Die Polizei stehe immer erst am Ende, am Anfang stünden Eltern, Schule und Gesellschaft.

"Diese Entwicklung zeigt, dass bei Teilen der Jugendlichen eine erhöhte Gewaltbereitschaft bei gesunkener Hemmschwelle und teilweise brutalem Vorgehen festzustellen ist", heißt es in dem Bericht. Der Anteil ausländischer Jugendlicher sei bei Fällen von Körperverletzung und Gewaltkriminalität überproportional hoch im Vergleich zu deutschen Tatverdächtigen. Schäuble betonte allerdings, dass Jugendkriminalität weniger mit der Nationalität eines Teenagers zu tun habe als mit der Tatsache, wie gut er in die Gesellschaft integriert sei. Erwachsene und Medien seien dafür verantwortlich, den Jugendlichen gute Vorbilder zu geben.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte die zunehmende Gewaltbereitschaft eine Plage für die Gesellschaft und forderte die Einstellung zusätzlicher Polizisten. "Die Polizei stellt fest, dass die Gewaltbereitschaft steigt, die Hemmschwelle sinkt und das Vorgehen immer brutaler wird", erklärte GdP-Chef Konrad Freiberg. Jugendliche fühlten sich in der Öffentlichkeit durch die mangelnde Polizeipräsenz nahezu unbehelligt. Besonders die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs werde für die Bürger außerhalb der Hauptverkehrszeiten immer mehr zum Spießrutenlauf.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch hatte die Kriminalität ausländischer Jugendlicher Anfang des Jahres zum zentralen Thema seines Wahlkampfes gemacht und damit Schiffbruch erlitten. Dem CDU-Politiker wurden ausländerfeindliche Hetze und Populismus vorgeworfen, und er musste starke Stimmenverluste hinnehmen. Seit dem Wahldebakel ist er nur noch geschäftsführend im Amt, hat aber keine eigene Mehrheit mehr.

KRIMINALITÄTSHAUPTSTÄDTE SCHWERIN UND FRANKFURT

Insgesamt sank die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr erneut leicht. Die Kriminalstatistik verzeichnet für 2007 knapp 6,3 Millionen Delikte, das sind 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Gewalttaten dagegen stieg erneut um 1,1 Prozent auf 218.000 Fälle an. Auslöser war vor allem eine Zunahme bei der schweren und gefährlichen Körperverletzung. Mord und Totschlag gingen dagegen um knapp fünf Prozent auf 2350 Fälle zurück. Auch Raubdelikte, Vergewaltigungen und Fälle sexueller Nötigung reduzierten sich weiter.

Kriminalitätshauptstadt ist Schwerin, wo 17.489 Straftaten auf 100.000 Einwohner kommen. Dahinter folgen Frankfurt (16.408), Hannover (16.344), Köln (14.765), Bremen (14.660), Magdeburg (14.643), Berlin (14.576) und Lübeck (14.104). Am niedrigsten ist die Pro-Kopf-Kriminalität in Wuppertal (7799), Bielefeld (8300), München (8549), Nürnberg (8559), Gelsenkirchen (8761) und Dresden (8797).

 
Photo