Rückschlag für Clinton - Edwards unterstützt Obama

Donnerstag, 15. Mai 2008, 13:21 Uhr
 

Grand Rapids (Reuters) - Mit einem Überraschungscoup hat Barack Obama Hillary Clintons jüngste Hoffnungen auf eine Wende im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zunichtegemacht.

Nur wenige Stunden nach dem souveränen Vorwahl-Sieg seiner Rivalin in West Virginia präsentierte er John Edwards als wichtigen Unterstützer. Seit Monaten hatten sowohl Clinton als auch Obama um ihren gemeinsamen, vor allem von der Parteibasis hoch geschätzten Ex-Konkurrenten gebuhlt. Edwards wollte ursprünglich selbst Kandidat werden, gab aber kurz nach Beginn des Vorwahlmarathons im Januar auf, als sich Clinton und Obama als Favoriten herausschälten.

Edwards hatte die Armutsbekämpfung ins Zentrum seines Wahlkampfes gerückt und kam damit besonders gut bei der weißen, einkommensschwachen Arbeiterschicht an - jener Gruppe, der Clinton wichtige Erfolge wie in Schlüsselstaaten wie Ohio oder Pennsylvania zu verdanken hat. In West Virginia stimmten nicht einmal ein Viertel der Weißen ohne höheren Bildungsabschluss für Obama.

"Ich bin heute Abend hier, weil sich die demokratischen Wähler in Amerika entschieden haben, und das habe ich auch", rief Edwards bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Obama an seiner Seite am Mittwochabend in Michigan. "Es gibt einen Mann, der in seinem Herzen weiß, dass es an der Zeit ist, ein einziges Amerika zu schaffen, nicht zwei - und dieser Mann ist Barack Obama."

Er habe keinen Zweifel, dass seine Kampagne von Edwards' Unterstützung erheblich profitieren könne, sagte Obama. Das Clinton-Lager gab sich unbeeindruckt. "Wir respektieren John Edwards. Aber die Wähler in West Virginia haben gezeigt, dass dieses Ding längst nicht gelaufen ist", erklärte Clintons Kampagnen-Chef Terry McAuliffe. Clinton stellte abermals klar, dass sie auch in den bis Anfang Juni noch ausstehenden fünf Vorwahlen antreten werde.

WIRD EDWARDS WIEDER VIZE-KANDIDAT?

Mit seiner Positionierung schürte Edwards prompt Spekulationen, er könne wie schon 2004 an der Seite von John Kerry erneut Vizepräsidentschaftskandidat werden. Obama sagte, es wäre zu früh, um sich zu dem Thema zu äußern. Edwards stünde aber bei jedem Bewerber hoch im Kurs. In jedem Fall hoffe er, dass die Delegierten, die sich Edwards vor seinem Ausscheiden bei den Vorwahlen sicher konnte, in sein Lager umschwenkten, sagte Obama. Es geht um schätzungsweise 18 Wahlmänner. Obama könnte damit seinen Vorsprung ausbauen.

Da das Rennen mit Clinton aber so eng ist, kommt es ohnehin auf das Votum der knapp 800 Superdelegierten an, die nicht an den Ausgang einzelner Vorwahlen gebunden sind. Obama liegt auch hier in Führung, seitdem er sich vor wenigen Wochen als aussichtsreicherer Bewerber etablierte. Alles in allem kommt er nach Berechnungen des Senders MSNBC bislang auf 1885 Delegierte, da sind etwa 160 mehr als Clinton. Für die Nominierung werden 2025 benötigt.

Die Demokraten hoffen, spätestens im Juni ihren Kandidaten gefunden zu haben, damit sie sich endlich auf die eigentliche Wahl im November konzentrieren können. Dann geht es gegen den Republikaner John McCain, der seit Wochen als Kandidat feststeht.

- von Jeff Mason -

 
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