Merkel: Lebensmittelkrise bedroht weltweite Sicherheit
Berlin/Sapporo (Reuters) - Zwei Tag vor dem G-8-Treffen in Japan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel davor gewarnt, dass die andauernde Nahrungsmittelkrise die weltweite Sicherheit bedrohen könnte.
Die Lebensmittelkrise könne "die Demokratisierung gefährden, Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen", zitierte das Magazin "Der Spiegel" aus einem Papier, das Merkel vor dem Gipfel an ihre Kollegen geschickt habe. Bei dem Treffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G-8) stehen von Montag an auch der Klimaschutz und die Weltwirtschaft auf der Tagesordnung. In Japan demonstrierten am Samstag mehrere tausend Menschen gegen den Gipfel.
Merkel habe zudem angekündigt, dass Deutschland in diesem Jahr 750 Millionen Dollar für die Lebensmittelversorgung in armen Ländern bereitstellen werde. Insgesamt benötigten die 30 ärmsten Länder der Welt 20 Milliarden Dollar für die Nahrungsmittelversorgung. Merkel wolle auf dem Gipfel in dem japanischen Badeort Toyako auch eine Arbeitsgruppe auf UN-Ebene durchsetzen, heißt es in dem Magazinbericht weiter.
In ihrer wöchentlichen Videobotschaft im Internet sagte Merkel zum G-8-Treffen: "Wir werden darüber beraten, wie die Industrieländer den afrikanischen Ländern bei der Stärkung ihrer eigenen bäuerlichen Landwirtschaft helfen können." Auch werde über Standards beim Anbau von Biokraftstoffen gesprochen, damit keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen könne. Einer Weltbankstudie zufolge hat die Produktion von Biosprit die Lebensmittel weltweit um bis zu 75 Prozent verteuert.
BROWN: IM KAMPF GEGEN KLIMAWANDEL UND ARMUT NICHT NACHLASSEN
Der britische Premierminister Gordon Brown forderte seinerseits die G-8-Staaten auf, in ihrem Kampf gegen Armut und Klimawandel trotz der angespannten Weltwirtschaft nicht nachzulassen. "Die gegenwärtige Wirtschaftskrise bedeutet vielmehr, dass wir unsere Bemühungen verstärken müssen", sagte Brown der britischen Zeitung "Guardian" vom Samstag. Im Vorfeld des Gipfels mehrten sich Befürchtungen, die Industrieländer könnten wegen der Kreditkrise Rückzieher bei der angekündigten Reduzierung von Treibhausgasen und der Aufstockung von Entwicklungshilfen machen.
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso richtete ebenfalls einen eindringlichen Appell an die Industriestaaten, ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel zu verstärken. "Die Staats- und Regierungschefs der G-8-Staaten, darunter auch die USA, müssen an ihrem Ziel festhalten, bis 2009 ein weltweites Klimaschutzabkommen zustande zu bringen", sagte Barroso der Zeitung "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht vom Samstag.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy stellte unterdessen die Form der G-8-Treffen infrage. Es sei nicht sinnvoll, die G-8 ohne wichtige Schwellenländer wie China und Indien zu versammeln, sagte Sarkozy bei einer Parteiveranstaltung in Paris. Es sei nicht angemessen, die großen Probleme der Welt ohne diese beiden Staaten lösen zu wollen. Zu den G-8 gehören neben Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Japan auch Italien, Russland und Kanada. Beim Gipfel sind auch Gespräche mit Vertretern Indiens und Chinas geplant.
Am Samstag marschierten Demonstranten unter hohen Sicherheitsvorkehrungen etwa eineinhalb Stunden durch die Inselhauptstadt Sapporo, die rund 70 Kilometer vom Tagungsort Toyako entfernt ist. An dem Demonstrationszug nahmen Polizeikreisen zufolge 2000 bis 3000 Menschen teil. Sie schlugen Trommeln und forderten auf Spruchbändern eine Abschaffung der
G-8.
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