Birma verweigert Hilfe und beschlagnahmt Lieferungen

Freitag, 9. Mai 2008, 18:35 Uhr
 

Rangun (Reuters) - Im Ringen um schnelle Hilfen für die Zyklon-Opfer hat Birmas Militärregierung die internationale Gemeinschaft vor den Kopf gestoßen.

Trotz zunehmenden Drucks verweigerte sie am Freitag kategorisch die Einreise ausländischer Helfer. Zudem ließ sie Hilfslieferungen der Vereinten Nationen beschlagnahmen, um sie selbst zu verteilen.

Die beiden Lieferungen - 38 Tonnen kohlenhydratreicher Kekse - hätten zur Versorgung von 95.000 Menschen ausgereicht, einem Bruchteil der geschätzten 1,5 Millionen Opfer des Zyklons, der vor einer Woche vom Irrawaddy-Delta bis in die Hauptstadt Rangun eine Spur der Verwüstung hinterließ.

Das Welternährungsprogramm (WFP) unterbrach wegen der Beschlagnahme seine Luftbrücke nach Birma, kündigte für Samstag aber zwei weitere Flüge an. Über die Verteilung der Hilfsgüter würden derzeit Gespräche geführt, sagte die Sprecherin der UN-Organisation.

Trotz internationaler Appelle bestehen Birmas Generäle darauf, die Hilfen selbst zu verteilen. Die Regierung schickte Helfer aus dem Golfstaat Katar zurück, die mit einem Flugzeug voller Hilfsgüter eingetroffen waren. Das Land könne derzeit keine Hilfsteams aus dem Ausland empfangen, erklärte das Außenministerium. "Derzeit legen wir die Priorität darauf, Hilfen zu erhalten und sie mit unseren eigenen Kräften in die von dem Sturm betroffenen Gebiete zu bringen."

Nach Einschätzung von Experten ist die Armee des Landes zu schlecht gerüstet für einen Einsatz diesen Ausmaßes. In den betroffenen Gebieten ist Augenzeugen zufolge zudem noch fast keine Hilfe angekommen. Leichen und Kadaver verrotten unter freiem Himmel. Die meisten Gebäude liegen in Trümmern, ohne dass Notunterkünfte aufgebaut worden wären. Offiziellen Angaben zufolge sind 23.000 Menschen ums Leben gekommen, weitere 42.000 werden vermisst. Experten rechnen mit bis zu 100.000 Toten.

Die Bundesregierung verlangte angesichts der Blockade der Militärregierung ein Eingreifen des UN-Sicherheitsrats. Das Gremium müsse wie von Frankreich gefordert eine klare politische Aufforderung an die Junta richten, erklärte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die zugleich eine Aufstockung der deutschen Hilfen auf zwei Millionen Euro ankündigte. Weltweit wurden den UN zufolge inzwischen Hilfen im Umfang von 57 Millionen Dollar bereitgestellt. Das WFP bat um weitere 115 Millionen Dollar.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erhöhte den Druck auf die Junta. "Die Regierung in Birma muss endlich internationale Hilfe zulassen und Visa ausstellen", sagte sie in Düsseldorf. Außenminister Frank-Walter Steinmeier will China und Thailand um Hilfstransporte nach Birma bitten. Die beiden Nachbarländer seien ein wichtiger Zugang, sagte er zum Auftakt einer Sondersitzung des Koordinierungsausschusses Humanitäre Hilfe. Die Hilfe könne nicht auf Entscheidungen des UN-Sicherheitsrats warten.

Westliche Hilfsexperten sitzen derzeit zu Dutzenden in Bangkok fest. Wegen eines nationalen Feiertags können sie erst in vier Tagen wieder ein Visum beantragen. Birmas Botschaft bleibt so lange geschlossen. "Vier Tage Warten - das ist zu lang für Menschen, deren Leben so sehr gefährdet ist", sagte ein WFP-Sprecher mit Blick auf die Opfer.

- Von Tom Perry -

 
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