Bayer-Pille Yasmin verliert Patentschutz in den USA

Dienstag, 4. März 2008, 13:29 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Bayer muss sich in den USA auf deutliche Umsatzrückgänge mit dem Verhütungsmittel Yasmin einstellen.

Ein US-Gericht erklärte im Patentstreit des US-Generikahersteller Barr Laboratories mit Bayer ein wichtiges Patent für das Top-Medikament für ungültig, wie der Leverkusener Konzern mitteilte. Damit könnte Barr eine billigere Kopie auf den Markt bringen. Die Bayer-Aktie war am Dienstag mit einem Kursverlust von 4,7 Prozent auf 47,84 Euro größter Verlierer im Dax.

Bayer prüft rechtliche Schritte gegen die Entscheidung. Das Unternehmen werde seine Patente vehement verteidigen. Dennoch nahm Bayer das Renditeziel für die Gesundheitssparte HealthCare zurück. Die bereinigte operative Umsatzrendite der Sparte wolle Bayer nun in diesem Jahr "in Richtung" 27 Prozent verbessern von 25,6 Prozent im vergangenen Jahr. Bisher sollte die bereinigte Rendite vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) auf "zirka 27 Prozent" steigen. Wie bisher gehe Bayer aber davon aus, 2009 in der Sparte auf 28 Prozent Marge zu erzielen.

Bayer erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit Yasmin in den USA 321 Millionen Euro Umsatz. Weltweit kam die Produktfamilie um Yasmin, zu der auch die Präparate Yaz und Yasminelle gehören, auf Erlöse von 1,04 Milliarden Euro.

Bayer hatte Barr 2005 wegen Patentverletzung verklagt, nachdem der Generika-Spezialist die US-Zulassung für eine Nachahmerversion von Yasmin beantragt hatte. Barr räumte zwar ein, dass seine Kopie das Bayer-Patent verletzen würde, hatte aber Gegenklage eingereicht, um dieses für ungültig erklären zu lassen. Zuletzt war es im Prozess nur noch um die Wirksamkeit des Patents gegangen. "Das ist eindeutig eine positive Entwicklung für das Unternehmen", begrüßte Barr-Chef Bruce Downey den Richterspruch. Barr prüfe nun die Auswirkungen auf die Gewinnziele für dieses Jahr.

AUCH YAZ DROHT KONKURRENZ

Bayer will nun auch prüfen, welche Folgen das Urteil gegen das Yasmin-Patent auf das Verhütungsmittel Yaz hat, das eine niedrig dosierte Version von Yasmin ist. Bis März 2009 dürften Yaz-Nachahmer in den USA jedenfalls nicht auf den Markt kommen, weil Bayer so lange noch die Exklusivrechte habe, erklärte der Konzern. Neben Barr will auch der US-Generikahersteller Watson Pharmaceuticals eine Nachahmerversion von Yaz auf den US-Markt bringen. Nach Schätzungen der DZ Bank erwirtschaftete das Medikament in den USA im vergangenen Jahr etwa 170 Millionen Euro Umsatz.

- von Frank Siebelt -