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Unternehmen | Donnerstag, 6. Oktober 2011, 16:16 Uhr

Apple-Ikone Steve Jobs ist tot

Carnations are placed before a computer screen showing a portrait of Apple co-founder and former CEO Steve Jobs at an Apple store in St. Petersburg October 6, 2011.
Reuters/Alexander Demianchuk
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Flags fly at half-mast outside Apple headquarters following the death of Apple Inc founder Steve Jobs in Cupertino, California October 5, 2011.
Reuters/Norbert von der Groeben
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Apple Chief Executive Officer Steve Jobs stands beneath a photograph of him and Apple-co founder Steve Wozniak from the early days of Apple during the launch of Apple's new 'iPad' tablet computing device in San Francisco, California, January 27, 2010.
Reuters/Kimberly White
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Apple Chief Executive Steve Jobs introduces new iPod Nanos to the crowd at the Yerba Buena Center of the Arts theater in San Francisco, California, in this September 12, 2006 file photo.
Reuters/Dino Vournas/Files
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Ben Paton from Somerset, the first person to buy the new Apple iPhone 4 in Britain, poses with his phone inside the Apple store in central London June 24, 2010.
Reuters/Paul Hackett
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Hans-Henrik Duessel from Svendborg, Denmark, displays his old Apple Macintosh Classic computer from 1990 beside his newly purchased Apple iPad after being among the first to purchase the new device during an iPad launch event at the Apple retail store in Hamburg May 28,...
Reuters/Christian Charisius
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Employees work inside a Foxconn factory in the township of Longhua in the southern Guangdong province in this May 26, 2010 file photo.
Reuters/Bobby Yip/Files
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San Francisco Steve Jobs ist tot. Der langjährige Chef und Mitbegründer des Technologiekonzerns Apple starb am Mittwoch im Kreise seiner Familie.

Seit Jahren kämpfte der als Ikone des Silicon Valley geltende Manager gegen Krebs. Der Mann hinter Erfindungen wie Mac-Computer, iPod und iPhone galt in der Branche als Revolutionär, der immer wieder ganze Märkte auf den Kopf stellte. Jobs machte den 1976 mit einem Freund in der Garage seiner Eltern geschaffenen Konzern zu einem Giganten, der unter Fans Kultstatus genießt und an der Wall Street in den obersten Rang der Börsenschwergewichte vordrang. Nach dem Tod des 56-Jährigen zollten ihm Anhänger wie Rivalen und Politiker Respekt. Vor Apple-Filialen von Los Angeles bis Sydney versammelten sich trauernde Fans. Im Blickpunkt der Branche steht nun die Frage, ob Apple auch ohne die Lichtgestalt Jobs an der Spitze seine Erfolgsgeschichte fortschreiben kann.

"Steve hat die Welt in unermesslicher Weise verbessert." Mit diesen Worten würdigte Apple das Schaffen Jobs'. Die Homepage des Konzerns zeigte am Donnerstag einzig ein großformatiges Schwarz-Weiß-Porträt des Verstorbenen mit der Zeile "Steve Jobs, 1955-2011". Vor der Konzernzentrale in Kalifornien wehten die Fahnen auf Halbmast, Angestellte legten Blumen nieder. Dies taten auch Fans vor einer Apple-Filiale in New York; in San Francisco hielten sie schwarz-weiße Porträts von Jobs auf ihren iPads in die Höhe. Vor Jobs Privatanwesen in Palo Alto legten Nachbarn und Freunde Blumen nieder. Jemand schrieb auf den Gehweg: "Danke, dass du die Welt verändert hast."

OBAMA: STEVE WAR EINER VON AMERIKAS ERFINDER-GRÖSSEN

US-Präsident Barack Obama sagte, die Welt habe einen Visionär verloren. Jobs gehöre in die Reihe großer amerikanischer Erfinder: "Mutig genug anders zu denken, kühn genug zu glauben, dass er die Welt verändern kann und talentiert genug, dies auch zu tun", erklärte Obama. "Vielleicht gibt es keine größere Ehrenbekundung für Steve, als dass ein Großteil der Welt von seinem Ableben auf einem von ihm erfunden Gerät erfahren hat." Wie nur selten zu erleben, schlossen sich weltweit Politiker dieser Einschätzung an. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy äußerte sich ähnlich. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler betonte im ZDF, der Wirtschaft sei ein großes Unternehmervorbild verloren gegangen. "Das ist natürlich ein großer Verlust, allerdings weit über die Wirtschaft hinaus."

AuchMicrosoft-Gründer Bill Gates, der als Technologie-Trendsetter zuletzt zunehmend in den Schatten Jobs' geriet, zollte dem Kollegen und Konkurrenten Respekt: "Für all diejenigen, die das Glück hatten, mit ihm zusammenzuarbeiten, war dies eine unsagbar große Ehre." Jobs' ungewöhnliche Strahlkraft werde sich noch auf viele Generationen auswirken.News-Corp-Patriarch Rupert Murdoch sparte gleichfalls nicht an Lob: "Heute haben wir den einflussreichsten Denker, Schaffer und Unternehmer aller Zeiten verloren", erklärte er. "Steve Jobs war der größte Konzernchef seiner Generation."

Internet-Netze wie Twitter waren voll von Würdigungen. Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg bedankte sich bei seinem "Mentor und Freund" mit den Worten: "Du hast mir gezeigt, dass man mit seinen Werken die Welt verändern kann." Die beiden SAP-Chefs Jim Snabe und Bill McDermott erklärten, die Welt habe einen Visionär, Gestalter und guten Menschen verloren. "Steve Jobs hat immer Grenzen infrage gestellt, das Unmögliche versucht und Perfektion kultiviert."

NOKIA-CHEF: JOBS' ERBE WIRD UNS NOCH LANGE BEGLEITEN

Zahlreiche Größen der Technologie- und Medienindustrie schlossen sich mit Würdigungen an. Für den finnischen Handy-Riesen Nokia, den Apple auf dem Boom-Markt der Smartphones abgehängt hat, erklärte Chef Stephen Elop: "Steves Leidenschaft für Einfachheit und Eleganz hinterlässt ein Erbe, das uns noch über Generationen hinweg begleiten wird." Google-Chef Larry Page schrieb auf Google+, Jobs' absolute Konzentration auf den Nutzer habe ihn immer inspiriert. Der Konzern stellte den Schriftzug "Steve Jobs, 1955 - 2011" direkt auf die Titelseite seiner täglich millionenfach aufgerufenen Suchmaschine. Es ist vor allem Google, das mit seinen Android-Smartphones zuletzt dem Apple-Verkaufsschlager iPhone zunehmend Konkurrenz machte.

Viele Experten gehen davon aus, dass der seit Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte Jobs zwar die Grundlagen für weitere Erfolge seines Konzerns gelegt hat. Doch ohne Jobs als führendem Produktentwickler, Marketing- und Verkaufsstrategen steht der Konzern vor neuen Herausforderungen. Der stets in schwarzem Rolli und Blue Jeans auftretende Jobs galt als Herz und Seele des Computer-Giganten.

Der in San Francisco geborene Jobs wuchs bei Adoptiveltern auf, warf sein Studium hin und gründete mit seinem Freund Steve Wozniak Apple. Unter der Ägide des bekennenden Buddhisten brachte der Konzern den ersten Apple-Computer auf den Markt, gefolgt von der bis heute gefragten Mac-Serie. Nach einem Streit und dem Rauswurf aus der eigenen Firma 1985 kehrte Jobs zwölf Jahre später zu Apple zurück und brachte den Konzern wieder auf die Erfolgsspur. Neben einigen wenig beachteten Flops ließ er den digitalen Musikspieler iPod entwickeln, der wie später das iPhone und der Tablet-Computer iPad zum Maßstab der jeweiligen Produktgruppe wurde.

Als Jobs' Krankheit 2004 diagnostiziert wurde, hoffte er zunächst noch darauf, dass der Krebs heilbar ist. Doch sein Zustand verschlechterte sich in den vergangenen Jahren rapide. Nach zwei vorübergehenden Auszeiten trat Jobs im August schließlich vom Chefposten seines Konzerns zurück und übertrug Tim Cook die Leitung.

Nur einen Tag vor Jobs' Tod stellte Cook ein neues iPhone-Modell vor und hielt sich dabei weitgehend an die von Jobs zu einem Markenzeichen entwickelte Art der Produktpräsentation, ohne auch nur ansatzweise eine ähnliche Begeisterung damit auszulösen. Dies mag ein zeitlicher Zufall gewesen sein, den Experten fehlte jedoch prompt beim ersten Produkt in der Ära nach Jobs die Innovationskraft. Rivalen wie vor allem Samsung aus Korea sehen nun größere Chancen haben, zu Apple aufzuschließen.

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