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Deutschland
Mittwoch, 4. Februar 2009, 14:16 Uhr

US-Automarkt stürzt im Januar ab - China nun Autoland Nummer 1

- von Jan C. Schwartz und Kevin Krolicki -

Detroit/HamburgDer US-Automarkt befindet sich weiter im freien Fall: Im Januar sackten die Verkaufzahlen auf den niedrigsten Stand seit 27 Jahren. Das über viele Jahre weltweit dominierende Autoland USA rutschte Branchenschätzungen zufolge damit bei den Verkäufen erstmals unter das Niveau von China.

Durch die rasante Talfahrt verschärft sich auch der Überlebenskampf von General Motors(GM.N) und Chrysler. Die beiden von staatlicher Milliardenhilfe abhängigen Autokonzerne verkauften nur halb so viele Autos wie noch vor einem Jahr. Rivale Ford(F.N), der noch als vergleichsweise stabil gilt, schnitt mit minus 41 Prozent kaum besser ab. Aber auch lange erfolgsverwöhnte europäische und asiatische Autobauer blieben nicht verschont. "Die Wahrheit ist, dass sich die gesamte Industrie im Auge eines ökonomischen Wirbelsturms befindet", beschrieb Toyotas(7203.T) US-Chef Bob Carter die Lage.

OBAMA EINZIGE HOFFNUNG

"Das ist ein Massaker", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Nichts ist leichter, als einen Autokauf zu verschieben", fügte Arndt Ellinghorst, Autoanalyst von Credit Suisse, hinzu. "Einzige Hoffnung ist, dass sich durch US-Präsident Obama wieder Vertrauen einstellt. Sonst wird das das schlechteste Jahr, das wir bisher hatten." Georg Stürzer von UniCredit führt als einen Grund für den Absturz einen Rückgang der Verkäufe an Autovermieter an. Im sogenannten Flottengeschäft seien 150.000 Autos weniger losgeschlagen worden.

Inzwischen gilt 2009 ein Absacken des US-Marktes unter die Marke von zehn Millionen Einheiten als wahrscheinlich, was Hersteller und Lieferanten zu weiteren Produktionskürzungen zwingen würde. Selbst im bereits rabenschwarzen Jahr 2008 waren 13,2 Millionen Autos verkauft worden. Über viele Jahre hinweg galten 16 Millionen in den USA als üblich. Angesichts der Rezession und angekündigter Stellenstreichungen sind die Kassen der US-Konsumenten knapp. Käufe auf Pump sind in der Finanzkrise fast unmöglich geworden - die gebeutelten Banken geben kaum Kredite.

General Motors kündigte als Folge an, die Produktion im ersten Quartal um zehn Prozent weiter zu senken. Beide, GM und Chrysler, erhöhen gleichzeitig ihre Rabatte, um Lager zu räumen und die Produktion am Laufen zu halten.

DEUTSCHE AUTOBAUER STÜRZEN IN USA AUCH AB - PLUS FÜR HYUNDAI

Auch die deutschen Autobauer verzeichneten scharfe Rückgänge. Der US-Absatz von Volkswagen(VOWG.DE) verringerte sich um 15 Prozent. Die Ingolstädter Konzernschwester Audi(NSUG.DE) verkaufte im Januar 29 Prozent weniger. Der Absatz der Daimler-Pkw-Marke(DAIGn.DE) Mercedes gab sogar um 45 Prozent nach, der von BMW(BMWG.DE) war mit minus 18,7 Prozent nur halb so schwach. "Und das, obwohl Mercedes erstmals seit Mitte 2006 höhere Kaufanreize anbietet als BMW", sagte Analyst Ellinghorst. VW-Eigner Porsche(PSHG_p.DE) musste einen Verkaufsrückgang um 38,6 Prozent hinnehmen.

Einzig die koreanische Marke Hyundai(005380.KS) konnte mit einem Verkaufsplus von fast zehn Prozent glänzen, weil eine ungewöhnlichen Kampagne Erfolg hatte: Käufer, die arbeitslos werden, können ihren Neuwagen zurückgeben. Das komme bei der verunsicherten Kundschaft an, sagten Analysten. Der japanische Weltmarktführer Toyota verkaufte dagegen 34,4 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Honda(7267.T) brachte 30,7 Prozent weniger Autos an die Leute, und bei Mitsubishi(7211.T) sackte der Absatz um 37,1 Prozent ab.

(redigiert von Martin Zwiebelberg)

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