General Motors kann Opel-Probleme nicht lösen | Reuters
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Unternehmen | Donnerstag, 14. Februar 2013, 17:43 Uhr

General Motors kann Opel-Probleme nicht lösen

Detroit/Hamburg General Motors (GM) findet keinen Weg aus der Krise seiner Europa-Tochter Opel.

Der US-Konzern türmte im abgelaufenen Jahr im Europa-Geschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall einen Betriebsverlust von satten 1,8 Milliarden Dollar auf, fast drei Mal so hoch wie im Jahr davor. Ähnlich wie der französische Partner Peugeot setzte GM den Wert seiner Fabriken und Maschinen in Europa niedriger an - und zwar um 5,2 Milliarden Dollar. Das GM-Management um Vorstandschef Dan Akerson hielt am Donnerstag an dem Ziel fest, bis zur Mitte des Jahrzehnts in Europa schwarze Zahlen schreiben zu wollen. Im laufenden Jahr soll der Betriebsverlust zumindest etwas eingedämmt werden.

Damit steigt der Druck auf Opel, sich mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft auf weitere Einschnitte zu verständigen. Am Freitag und Samstag sollen dazu in Düsseldorf die bereits seit Monaten laufenden Verhandlungen fortgesetzt werden. Der Betriebsrat betonte allerdings, dass er nicht mit einer Einigung rechnet. Es seien gewichtige Fragen noch ungeklärt, sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug der Nachrichtenagentur Reuters.

Akerson sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, er rechne damit, die Gespräche mit der IG Metall in diesem Quartal abzuschließen. Damit weichte er das von GM-Vize Stephen Girsky auf Ende Februar festlegte Ultimatum auf. Girsky, der auch den Opel-Aufsichtsrat leitet, hatte eine Einigung mit dem Betriebsrat noch in diesem Monat verlangt, sonst fühle sich das Management nicht mehr an frühere Angebote gebunden. Die Fahrzeug-Produktion in Bochum würde dann bereits Anfang 2015 eingestellt, zwei Jahre früher als bisher geplant.

POKER UM BOCHUM

Die Arbeitnehmervertretung fordert den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über 2016 hinaus. "Die Schlüsselfrage ist, inwieweit die deutschen Standorte an dem künftigen Wachstum von Opel partizipieren", sagte Schäfer-Klug. Opel will in den nächsten Jahren insgesamt 23 neue Modelle auf den Markt bringen. In Bochum soll die Fahrzeug-Produktion jedoch spätestens Ende 2016 dichtgemacht werden, wenn das aktuelle Modell des Familienwagens Zafira ausläuft. Davon sind über 3000 Beschäftigte betroffen. Erst wenn die Arbeitnehmer diese Kröte schlucken, sollen auch die Jobs in allen anderen Standorten bis Ende 2016 sicher sein.

Analysten rechnen erst in drei bis vier Jahren mit einer Wende bei Opel, wenn die gemeinsame Entwicklung von Fahrzeugen mit Peugeot erste Früchte tragen soll. Zugleich müsse die Kooperation der beiden Autobauer ausgeweitet werden, forderte Frank Schwope von der NordLB. Die unlängst angekündigten drei gemeinsamen Modelle reichten nicht aus. "Da wird noch mehr kommen müssen."

NEUER HOFFNUNGSTRÄGER

Alle Hoffnungen richten sich nun auf den neuen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, der Anfang März das Steuer bei der seit Jahren Verluste schreibenden Rüsselsheimer Traditionsmarke übernehmen soll. "Wenn einer es kann, dann er", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Der Auto-Analyst geht allerdings nicht davon aus, dass Neumann - wie von der Mutter aus Detroit verlangt - Opel rasch aus dem Tal führen kann. "Dass Opel 2015 die Gewinnschwelle erreicht, glaube ich nicht. Wenn man so weit entfernt ist von erfolgreichen Produkten, ist es extrem schwer, der Marke zu neuem Glanz zu verhelfen."

Stefan Bratzel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet, sagte, von Neumann werde die "Quadratur des Kreises" verlangt. Der frühere Star im VW-Konzern müsse GM bei der Stange halten, zugleich das Vertrauen der durch die jahrelange Diskussion um die Zukunft von Opel verunsicherten Belegschaft zurückgewinnen sowie die Gewerkschaft ins Boot holen. "Das ist eine enorm schwierige Sache, zumal schmerzhafte Einschnitte bevorstehen." Anders als beim Rivalen Ford seien die Verluste von Opel kein Ausreißer, sondern "ein systematisches Problem, das eine dramatische Größe erreicht hat", so Bratzel.

Auch Ford hatte im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Dollar im Europa-Geschäft verloren. Für 2013 rechnet der GM-Rivale gar mit einem Minus von rund zwei Milliarden Dollar. Um die Wende zu schaffen, will Ford in Belgien und Großbritannien drei Werke mit Tausenden Arbeitsplätzen schließen.

Die Verluste in Europa konnte GM durch die florierenden Geschäfte auf dem Heimatmarkt wettmachen, allerdings sprudelten die Gewinne dort nicht mehr ganz so üppig wie zuletzt. Im Gesamtjahr sank der Nettogewinn um mehr als ein Drittel auf 4,9 Milliarden Dollar. Dabei machten GM negative Steuereffekte in den USA zu schaffen. Der Konzernumsatz stieg marginal auf 152,3 Milliarden Dollar.

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