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Unternehmen | Mittwoch, 6. Februar 2013, 12:03 Uhr

Kabel-Koloss Liberty wagt Mega-Deal in Großbritannien

London/New York Es ist eine der größten Übernahmen in der Medienbranche seit Jahren: Der US-Kabelriese Liberty Global schluckt für knapp 16 Milliarden Dollar den zweitgrößten britischen Kabelfernsehanbieter Virgin Media.

Der auch in Deutschland tätige Konzern legt dafür insgesamt 15,75 Milliarden Dollar (11,6 Milliarden Euro) in Bar und in eigenen Aktien auf den Tisch, wie beide Unternehmen mitteilten. Mit den Schulden von Virgin, die der Konzern schultern muss, ist der Deal sogar mehr als 23 Milliarden Dollar schwer. Liberty-Lenker und Milliardär John Malone, der in der Branche wegen seiner rabiaten Geschäftstaktiken auch Kabel-Cowboy genannt wird, wagt sich damit auf einen hart umkämpften Markt, auf dem sein alter Erzrivale Rupert Murdoch schon lange im Geschäft ist. Der australische Medienmogul hält dort 40 Prozent am Pay-TV-Primus BSkyB.

In Deutschland ist Liberty bereits fest verankert. Hierzulande kontrolliert Malone den zweitgrößten Kabelfernsehanbieter Unitymedia Kabel BW. Murdoch besitzt die Mehrheit am deutschen Bezahl-Fernsehsender Sky.

Liberty zahlt 47,02 Dollar je Virgin-Media-Titel. Auf Basis des Schlusskurses vor Bekanntwerden der Übernahmeavancen am Montag ist das ein Aufschlag von 24 Prozent. Erst am Dienstagmorgen hatte Virgin Media Übernahmegespräche eingeräumt. Daraufhin waren an der Londoner Börse die Aktien des Unternehmens um 16 Prozent in die Höhe geschossen. Am Abend war der Deal dann in trockenen Tüchern.

MARKTFÜHRER MURDOCH

Virgin Media zählt 4,9 Millionen TV-Kunden - der Murdoch-Sender BSkyB hat 10,7 Millionen Abonnenten. Die Expansion von Liberty Global nach Großbritannien wird den 81-Jährigen Murdoch kaum freuen: Er ist dem Konzern und seinem Lenker John Malone in inniger Abneigung verbunden, seitdem sich die beiden Männer vor einem Jahrzehnt einen offnen Schlagabtausch um die Kontrolle des US-Bezahlsenders DirecTV lieferten. Die Antipathie hatte sogar Auswirkungen auf den deutschen Fernsehmarkt: Die Liberty-Tochter Unitymedia verweigerte als einziger der großen Kabelnetzbetreiber Sky Deutschland jahrelang, mehr als einen HD-Sender einzuspeisen. Murdoch hält über seinen Medienkonzern News Corp die Mehrheit an dem Abo-Sender aus München.

KABEL-KOLOSS AUS COLORADO

Liberty Global sitzt in Englewood im Bundesstaat Colorado und ist ein internationaler Kabelkonzern mit 20 Millionen Kunden in 13 Ländern und großem Übernahmeappetit. Ähnlich wie ein Finanzinvestor finanziert auch Liberty Käufe häufig über Kredite, die dem gekauften Unternehmen aufgeladen werden. So lief es auch beim Kauf von Unitymedia und Kabel BW in Deutschland ab. Diese Strategie funktioniert bei Kabelfirmen gut, da ihr Geschäft hochprofitabel und vor allem auf Jahre hin berechenbar ist.

VIRGIN WAR LANGE VERLUSTREICH

Virgin Media ging 2006 aus der Fusion von Telewest, NTL und dem Mobilfunker Virgin Mobile hervor. Der Publicity-affine Milliardär Richard Branson, der sein Firmenimperium auf den Namen Virgin getauft hat, lieh dem Kabel-Unternehmen die Markenrechte, hält aber nur einen kleinen Anteil. Nach der Fusion folgte eine lange Phase des Umbaus und großer Verluste, in der Virgin für viel Geld sein Netz ausbaute. Trotz der Investitionen deckt Virgin erst die Hälfte von Großbritannien ab. Erstmals schwarze Zahlen schrieb die Firma 2011. Virgin hat Fernsehen, Internet- und Telefonanschlüsse im Angebot und konkurriert etwa mit BT. Die größten Anteilseigner sind die Beteiligungsfirmen Capital World Investors mit 14,6 Prozent und Capital Research Global Investors mit 10,9 Prozent.

Liberty nimmt es mit dem Engagement in Großbritannien ernst und will nach Abschluss des Deals auf die Insel umziehen. Durch gemeinsamen Einkauf von Rechten und Geräten soll die Fusion Einsparungen von 180 Millionen Dollar erzielen.

Beraten wurde Liberty von LionTree Advisors und Credit Suisse, während Goldman Sachs und JP Morgan Virgin Media zur Seite standen. Im Abschlussquartal steigerte Liberty Global das operative Ergebnis um fast ein Viertel auf rund 500 Millionen Dollar, wie aus vorläufigen Zahlen hervorgeht, die der Konzern am Mittwoch vorlegte. Der Umsatz lag im vierten Quartal demnach bei 10,31 Milliarden Dollar.

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