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Unternehmen | Mittwoch, 16. Januar 2013, 18:12 Uhr

US-Großbanken verdienen wieder wie zu besten Zeiten

New York Vier Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers verdienen die US-Großbanken so gut wie selten zuvor.

Branchenprimus JPMorgan Chase fuhr im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 21,3 Milliarden Dollar ein, Konkurrent Goldman Sachs baute seinen Überschuss auf 7,5 Milliarden Dollar aus. Die Institute profitierten vor allem von der Erholung des US-Immobilienmarktes und dem florierenden Handelsgeschäft. Zudem müssen sie angesichts der Erholung der amerikanischen Wirtschaft weniger Geld für Kreditausfälle zurücklegen.

Mit ihren Milliarden-Gewinnen legen JPMorgan und Goldman Sachs die Latte für die europäischen Großbanken hoch, die angesichts der Euro-Schuldenkrise deutlich hinter den Ergebnissen ihrer US-Rivalen zurückbleiben dürften. Die europäischen Institute legen ihre Zahlen in den kommenden Wochen vor, die Deutsche Bank am 31. Januar.

An der Börse kamen besonders die Zahlen von Goldman Sachs gut an, die deutlich über den Erwartungen der Analysten lagen. Die Aktien der New Yorker Investmentbank legten an der Wall Street knapp drei Prozent zu. Goldman Sachs profitierte zuletzt von der steigenden Zahl an Übernahmen, Börsengängen und Kapitalerhöhungen, bei denen das Institut rund um den Globus satte Gebühren einstreicht. Zudem gewannen die Aktien und Anleihen in den Büchern der Bank deutlich an Wert.

"GOLDMÄNNER" VERDIENEN 2012 KNAPP 400.000 DOLLAR

Die Einnahmen von Goldman Sachs kletterten im vergangen Jahr um knapp ein Fünftel auf 34,2 Milliarden Dollar. Von diesen Einnahmen wendete die Bank einen deutlich geringeren Anteil für die Bezahlung ihrer Mitarbeiter auf als in den Jahren zuvor - die Ausschüttungsquote an die Beschäftigten war mit 38 Prozent die zweitniedrigste seit dem Börsengang von Goldman 1999.

Analysten werten dies als Zeichen, dass die Bank die Interessen ihrer Aktionäre künftig noch stärker im Auge haben wird als die Bezahlung ihrer Mitarbeiter. "Das Management scheint gute Leute halten zu können, ohne die gesamten Einnahmen als Bezahlung an sie weiterzugeben", sagte Joe Terril von der Investmentfirma Terril & Co.

Allzu große Sorgen müssen sich die "Goldmänner" deshalb aber wohl nicht machen. Da die Einnahmen 2012 zulegten und die Zahl der Beschäftigten um rund drei Prozent zurückging, stieg die durchschnittliche Bezahlung bei Goldman Sachs von 367.057 Dollar auf 399.506 Dollar pro Kopf. Die Personalausgaben sind für Finanzkonzerne an der Wall Street traditionell einer der größten Kostenblöcke.

BONUS VON JPMORGAN-CHEF DIMON WIRD HALBIERT

Bei der größten amerikanischen Bank JPMorgan stand vor allem die Bezahlung des Vorstandsvorsitzenden Jamie Dimon im Fokus. Der Bankchef, der für das Geschäftsjahr 2011 noch satte 23,1 Millionen Dollar erhalten hatte, muss sich für das abgelaufene Jahr mit 11,5 Millionen Dollar begnügen. Der Grund für Dimons deutliche Bonus-Kürzung sind die Fehlspekulationen eines britischen Händlers - Spitzname "Londoner Wal" - die JPMorgan über sechs Milliarden Dollar gekostet haben.

In einer internen Untersuchung gab die Bank zwar drei Untergebenen von Dimon die Hauptverantwortung für den Handelsskandal in London. Als Vorstandschef trage letztlich aber auch Dimon die Verantwortung für die Verfehlungen, erklärte die interne Task Force des Instituts. "Er hätte besser überprüfen können, ob das, was ihm gesagt wurde, verlässlich ist."

Dimon sagte, er "respektiere" die Entscheidung des Direktoriums der Bank. Inzwischen seien alle Positionen "des Wals" geschlossen und keine weiteren negativen Auswirkungen mehr zu erwarten. Die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben den Fall, der dem Ruf der Bank massiv geschadet hat, allerdings noch nicht abgehakt und ermitteln weiter.

Im operativen Geschäft gibt es für Dimon dagegen kaum Grund zu klagen. Die Bank, die im Gegensatz zu Goldman auch stark im Privatkundengeschäft aktiv ist, profitierte zuletzt vor allem von der gesunkenen Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Der Gewinn kletterte 2012 um rund 12 Prozent auf über 21 Milliarden Dollar. Auch für 2013 seien die Aussichten gut, sagte Dimon. JPMorgan-Aktien legten in New York 0,5 Prozent zu.

- von David Henry und Rick Rothacker und Lauren Tara LaCapra

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