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Fed-Chef verteidigt lockere US-Geldpolitik in Europa
19. November 2010 / 07:59 / vor 7 Jahren

Fed-Chef verteidigt lockere US-Geldpolitik in Europa

<p>U.S. Federal Reserve Chairman Ben Bernanke arrives to testify before a House Financial Services hearing on the "Monetary Policy and the State of the Economy" on Capitol Hill in Washington, July 22, 2010.Jim Young</p>

Frankfurt (Reuters) - US-Notenbank-Chef Ben Bernanke bleibt hart: Bei seinem mit Spannung erwarteten ersten Auftritt in Europa nach der jüngsten abermaligen Lockerung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten verteidigt er den weltweit heftig kritisierten Schritt vehement.

Das langsame Wachstum, der Rückgang der Inflation und eine seit Monaten hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit seien die Gründe für den vielfach kritisierten Schritt der Federal Reserve, sagte Bernanke am Freitag auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB). "Bei der jetzigen wirtschaftlichen Entwicklung in den USA besteht die Gefahr, dass Millionen Arbeiternehmer viele Jahre lang nicht beschäftigt oder unterbeschäftigt bleiben. Für unsere Gesellschaft sollte dies inakzeptabel sein". Kritik an dem Schritt war vor allem aus den Schwellenländern, aber auch Deutschland gekommen.

In den vergangenen Tagen haben bereits mehrere amerikanische Notenbanker, darunter Bernankes Vize Janet Yellen und der Chef der wichtigen Fed of New York, William Dudley, das Anfang des Monats beschlossene neue 600-Milliarden-Dollar-Programm der Fed verteidigt - eine recht ungewöhnliche Kommunikationsoffensive. Die Fed-Aktion soll die lahmende US-Wirtschaft mit billigem Geld versorgen und damit Investitionsanreize schaffen. Der Schritt schwächt jedoch zugleich den Dollar. Die Maßnahme ist deshalb im In- und Ausland umstritten. Viele Länder, vor allem die großen Schwellenländer fürchten, dass die Politik der Federal Reserve über Kapitalimporte zu einer starken Aufwertung ihrer Währungen führt und so ihren Export belastet. Bernanke machte indes klar: "Nicht eine einzelne Währung ist Schuld am Entstehen von Defiziten oder Überschüssen und damit an Ungleichgewichten, sondern das Verhalten vieler Länder."

STREIT MIT CHINA GEHT WEITER

China, das ebenfalls zu den Kritikern der US-Geldpolitik gehört, warf Bernanke zum wiederholten Mal vor, durch künstliche Unterbewertung der Landeswährung Yuan Übersprungeffekte zu verstärken, "die nicht existieren würden, wenn der Wechselkurs die ökonomischen Fundamentaldaten besser widerspiegeln würde". China finanziere deshalb seinen enormen ökonomischen Aufstieg nicht zuletzt auf dem Rücken anderer und ziehe die Folgen seines Handelns für die Weltwirtschaft nur unzureichend in Betracht. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn sagte ebenfalls in Frankfurt, er sei überzeugt, "dass Länder, wenn sie wie China größere Spieler werden, auch begreifen müssen, dass sie mehr Verantwortung haben." Während Bernanke und Strauss-Kahn redeten, erhöhte Chinas Zentralbank den Mindestreservesatz für die Banken.

Henrique Meirelles, Chef der Notenbank Brasiliens, einem der größten Schwellenländer, sparte nicht mit Kritik an der Politik Bernankes: "Es ist schlicht ein Fakt, dass es Ungleichgewichte und politische Entscheidungen gibt, die zu Kapitalimporten führen, die gefährliche Folgen haben können. Jede Zentralbank wird darauf ihre eigene Antwort finden müssen." Brasilien hat bereits mit Kapitalverkehrskontrollen gedroht, um die heimische Wirtschaft zu schützen. Gastgeber EZB-Präsident Jean-Claude Trichet blieb bei der Notenbanker-Konferenz gegenüber Bernanke wie erwartet zurückhaltend und bekräftigte, er teile dessen grundsätzliche Ansicht, dass ein starker Dollar wichtig für die Weltwirtschaft sei.

Gegenwind für seinen geldpolitischen Kurs bekommt Bernanke nicht nur im Ausland, sondern auch in den USA und aus der Fed selbst von einigen Chefs regionaler Repräsentanzen. Zuletzt hatten darüber hinaus mehrere republikanische Finanzexperten demonstrativ gegen seine Politik Front gemacht. Ihnen hielt der Zentralbankchef entgegen, eine weitere Ausweitung der Geldmenge sei angesichts der großen Probleme der Wirtschaft das einzig sinnvolle Rezept: "Der beste Weg um den Dollar zu stärken und zugleich die Erholung der Weltwirtschaft zu unterstützen ist eine Politik, die im Kontext stabiler Inflationsraten zu einem robusten Wachstum beiträgt." Die Fed habe ihre Entscheidung "im vollen Bewusstsein der Rolle des Dollars als Weltleitwährung" getroffen.

Die USA kommen nach wie vor nur sehr zäh aus der auf die schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten gefolgten tiefen Rezession. Zwar wächst die Wirtschaft wieder, doch verharrt die Arbeitslosigkeit bei für die Vereinigten Staaten ungewöhnlich hohen knapp zehn Prozent. Zudem ist die Teuerung so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Bernanke und andere wichtige Ökonomen fürchten deshalb, dass die US-Wirtschaft in eine Spirale fallender Preise abgleiten könnte. Dies würde sowohl den Konsum als auch die Investitionen der Unternehmen hemmen und somit in einem Abwärtsstrudel münden - wahrscheinlich mit noch mehr Arbeitslosen.

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