26. Januar 2009 / 16:18 / vor 9 Jahren

Pfizer sichert sich mit Mega-Übernahme Branchenspitze

<p>Jeffrey Kindler (L), Chairman and CEO of Pfizer, and Bernard Poussot, Chairman and CEO of Wyeth, attend a news conference announcing the merger of the two companies in New York, January 26, 2009. Pfizer Inc, the No. 1 drugmaker, said it would acquire U.S. rival Wyeth for about $68 billion in a move to diversify its revenue base. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATES)</p>

New York/Frankfurt (Reuters) - In einer der größten Übernahmen der Pharmabranche will der amerikanische Arzneimittelhersteller Pfizer mitten in der Finanzkrise den US-Rivalen Wyeth schlucken.

Rund 68 Milliarden Dollar will sich der weltweite Branchenprimus den Zukauf des etwa halb so großen Konkurrenten kosten lassen, wie Pfizer-Chef Jeffrey Kindler am Montag ankündigte. Für den New Yorker Konzern wäre dies bereits die dritte Mega-Übernahme innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf der US-Konzerne Warner-Lambert im Jahr 2000 und Pharmacia drei Jahre später. Für die Beschäftigten brechen allerdings harte Zeiten an: Fast 20.000 der zusammen etwa 130.000 Arbeitsplätze beider Konzerne sollen im Zuge der Fusion gestrichen werden.

An der Wall Street legte der Kurs der Wyeth-Aktie um 0,6 Prozent auf 44,01 Dollar zu. Pfizer-Papiere brachen dagegen zeitweise mehr als acht Prozent auf 15,97 Dollar ein.

“Der Zusammenschluss von Pfizer und Wyeth ist eine gewaltige Chance, unsere Industrie zu verändern”, gab sich Pfizer-Chef Kindler optimistisch. Der Hersteller des Potenzmittels Viagra konnte sich trotz der Finanzkrise von einem Bankenkonsortium einen Kreditrahmen von 22,5 Milliarden Dollar sichern. “Es ist gut, dass die Banken das tun, was sie tun sollten”, sagte Kindler. Bislang hatte es im Zuge der Krise mehr Absagen von Fusionen als Neuankündigungen gegeben, da Banken weltweit vor größeren Kreditzusagen zurückschrecken.

Die Kreditgeber von Pfizer sind J.P. Morgan, Bank of America Merrill Lynch, Barclays, die Citigroup and Goldman Sachs. Pfizer will die Transaktion zudem über 22,5 Milliarden Dollar an Barmitteln sowie mit einem Aktien-Anteil von 23 Milliarden Dollar stemmen.

ÜBERNAHME SOLL PATENTAUSFÄLLE AUSGLEICHEN

Die Übernahme dürfte Pfizer helfen, ein ab 2011 drohendes Umsatzloch in Milliardenhöhe zu stopfen und die Abhängigkeit von wenigen Medikamenten zu verringern. Denn ab 2011 dürfte das Top-Medikament Lipitor, das derzeit allein ein Viertel zum Konzernumsatz von 48 Milliarden Dollar beisteuert, seinen Patentschutz verlieren. Die eigene Forschung hatte bislang nicht zu einem Präparat geführt, das diesen Ausfall ausgleichen könnte.

Zu den wichtigsten Medikamenten der in Madison im US-Bundesstaat New Jersey ansässigen Wyeth gehören der Impfstoff Prevnar gegen Infektionen bei Kindern mit einem Jahresumsatz von 2,7 Milliarden Dollar sowie das Antidepressivum Effexor mit 3,9 Milliarden Dollar. Wyeth setzte 2008 insgesamt 22,8 Milliarden Dollar um. Der Konzern steckte zuletzt selbst in Verhandlungen zum Kauf der niederländischen Biotechfirma Crucell. Diese wurden nun abgebrochen. Kreisen zufolge hatte Crucell ausschließlich mit Wyeth verhandelt. Die Crucell-Aktie büßte daraufhin zeitweise mehr als zwölf Prozent ein.

TRANSAKTION HAT BAR- UND AKTIENKOMPONENTE

Den Zukauf will Pfizer bis Ende des dritten oder im Verlauf des vierten Quartals abschließen. Pfizer bietet Wyeth-Aktionären insgesamt 50,19 Dollar je Aktie - davon je 33 Dollar in bar sowie den Rest in Pfizer-Aktien. Basierend auf dem Schlusskurs der Wyeth-Aktie vom Freitag zahlt Pfizer einen Aufschlag von 15 Prozent. Das Geschäft soll bereits ab dem zweiten Jahr nach Abschluss der Transaktion zum Gewinn beisteuern. Bis zum dritten Jahr nach Abschluss erwartet Pfizer insgesamt Einsparungen von vier Milliarden Dollar. Gekürzt werden soll im Zuge der Fusion unter anderem im Vertrieb, in der Verwaltung, in der Produktion aber auch in Forschung und Entwicklung. Die Aktionäre müssen sich allerdings auch auf Einschnitte bei der Dividende einstellen.

Kindler will mit dem Zusammenschluss, aus der ein Unternehmen mit Jahreserlösen von rund 70 Milliarden Dollar entsteht, die gefährdete Spitzenposition Pfizers sichern, die der Konzern ebenfalls durch Milliardenzukäufe erreicht hat. Mit dem Kauf von Warner Lambert - mit 88 Milliarden Dollar die bislang teuerste Übernahme in der Branche - kam der Cholesterinsenker Lipitor zu Pfizer. Der 60 Milliarden Dollar schwere Kauf von Pharmacia brachte den Zugriff auf das Schmerzmittel Celebrex. Nach der Übernahme werde Pfizer 17 Medikamente mit Umsätzen von mehr als einer Milliarde Dollar im Jahr haben, kein Medikament solle 2012 mehr als zehn Prozent zum Konzerumsatz beisteuern, hieß es.

Unsere WerteDie Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below