Ausland | Montag, 17. Dezember 2012, 19:12 Uhr

Schulen wegen Verdächtigem in US-Stadt abgeriegelt

Ridgefield/Newtown Nur drei Tage nach dem Schulmassaker im US-Bundesstaat Connecticut hat die Polizei in Ridgefield am Montag wegen einer verdächtigten Person alle Schulen abgeriegelt.

Vorsorglich wurden auch die Schulen im nahen Redding geschlossen. "Wir suchen nach einem Verdächtigen an einer Grundschule", sagte ein Polizist in Ridgefield. Diese Person sei möglicherweise bewaffnet, erklärte ein Beamter der Polizei von Connecticut. Ridgefield und Redding liegen nur wenige Kilometer von Newtown entfernt, wo am Freitag ein junger Mann in einer Grundschule zwanzig Kinder und sechs Erwachsene erschossen hat. Dort wurden am Montag Noah und Jack bestattet, zwei sechsjährige Jungen, die ihr Leben bei dem Massaker verloren.

Ridgefield liegt rund 30 Kilometer von Newtown entfernt, Redding nur 16 Kilometer. In Redding seien die Schulen als Vorsichtsmaßnahme abgeriegelt worden, sagte ein örtlicher Polizist. Ob es dort eine Drohung gab, ließ er offen.

DIE ERSTEN GETÖTETEN KINDER WERDEN ZU GRABE GETRAGEN

In Newtown versammelten sich Angehörige und Freunde, um Noah und Jack zu Grabe zu tragen. Die beiden Kinder sind die ersten Opfer des zwanzigjährigen Täters, die bestattet wurden. Noah ist das jüngste Opfer, seine Zwillingsschwester Arielle überlebte die Schießerei unverletzt. Zwanzig Kinder verloren ihr Leben, sie wurden nur sechs oder sieben Jahre alt.

Der Täter hatte mit einem Gewehr und zwei Pistolen bewaffnet die Sandy-Hook-Grundschule gestürmt. Zuvor hatte er zuhause seine eigene Mutter getötet. Das Motiv ist unklar. Früheren Mitschülern zufolge besuchte der Täter als Kind selbst die Einrichtung.

Als wichtige Zeugen befragt die Polizei nun zwei Erwachsene, die die Schießerei in der Schule in Newtown verletzt überlebt haben. Möglicherweise sollen auch Kinder vernommen werden. Die Schulen blieben in Newtown auch am Montag geschlossen. Die Schüler der Sandy-Hook-Schule sollen vorerst in einem Nachbarort unterrichtet werden.

OBAMA FORDERT ENTSCHIEDENES VORGEHEN GEGEN GEWALT

US-Präsident Barack Obama forderte nach dem Massaker in Newtown ein entschiedenes Vorgehen gegen Gewaltkriminalität. "Diese Tragödien müssen aufhören. Und um sie zu beenden, müssen wir uns ändern", sagte Obama bei einer Trauerfeier für die Todesopfer in Newtown am Sonntagabend. Er werde Polizisten, Lehrer und Psychologen zusammenbringen, um zu untersuchen, wie man die Gewalt stoppen könne. Anders als manche Abgeordnete seiner demokratischen Partei forderte Obama aber keine schärferen Waffengesetze.

Mehrere demokratische Politiker hatten am Wochenende schärfere Gesetze vor allem gegen Sturmgewehre gefordert. So kündigte Senatorin Dianne Feinstein an, in dieser Woche einen Gesetzentwurf einzubringen. Jeder Vorstoß, den Besitz von Waffen zu begrenzen, dürfte aber auf erbitterten Widerstand der Republikaner stoßen. Sie verweisen auf die US-Verfassung, die Bürgern den Besitz von Waffen erlaubt.

Der demokratische Senator von West-Virginia, Joe Manchin, der in der Waffenindustrie viel Geld verdient hat, rief den US-Kongress und die Waffenlobby zur Diskussion über eine Änderung der Waffengesetze auf. Manchin, der selbst Jäger ist und der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) angehört, sagte MSNBC, dass der freie Zugang zu Sturmgewehren nicht sinnvoll sei. Die NRA müsse bei der Reform der Waffengesetze kooperieren.

Das Thema steht allerdings für die meisten Politiker nicht im Vordergrund, weil Waffen in den USA weit verbreitet sind und die Lobbyisten über eine große Macht verfügen. Die Bürger sind selbst nach Gewalttaten wie in Newtown in der Frage gespalten.

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