Rechtspopulist Haider raste vor tödlichem Unfall
Wien (Reuters) - Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Der 58-Jährige verlor am Samstag kurz nach 01.15 Uhr morgens bei weit überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto streifte eine Böschung und überschlug sich mehrmals. Der Kärntner Regierungschef starb an schweren Kopf- und Brustverletzungen. Er war auf dem Heimweg von einer Feier am Stadtrand von Klagenfurt mit 142 km/h allein im Wagen unterwegs.
In Kärnten ist die Trauer um Haider groß. "Er war ein bisschen ein Volksheld für uns", sagte die Kärntnerin Sandra Degusch im österreichischen Fernsehen ORF. Trauernde legten an der Unfallstelle und vor Haiders Regierungssitz Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Vor dem Gebäude standen Besucher Schlange, um sich ins Kondolenzbuch einzutragen. In der Nacht nach Haiders Tod war der Platz vor dem Regierungssitz von Hunderten Kerzen erhellt. "Für uns ist das wie ein Weltuntergang", sagte Haiders Sprecher Stefan Petzner. In Kärnten wurden schwarze Flaggen gehisst.
Die Staatsanwaltschaft sagte, Haider sei vor seinem Unfall doppelt so schnell gefahren wie erlaubt. Auf der Straße habe eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h gegolten. Die Polizei stellte fest, dass Haider kurz vor dem Unfall ein Auto überholte. Dann kam sein Fahrzeug rechts von der Straße ab und überschlug sich. Davor habe das Auto einen Zaun durchbrochen und sei gegen ein Verkehrsschild und einen Betonsockel geprallt, sagte die Polizei.
Die Rettungskräfte konnten Haider nicht mehr helfen. Die Notärztin habe ihn mit schwersten Kopfverletzungen angeschnallt im zertrümmerten Wagen vorgefunden, sagte der Arzt Thomas Koperna. "Die Halswirbelsäule war wahrscheinlich gebrochen und der linke Oberarm war nahezu abgetrennt", sagte Koperna. Haider kam tot im Krankenhaus an. Laut dem am Sonntag veröffentlichten Obduktionsbericht hatte Haider keine Überlebenschance.
Haider habe sich das Wochenende freigenommen und auch seinem Chauffeur freigegeben, sagte sein Stellvertreter Gerhard Dörfler. Er fuhr nachts im Dienstwagen zu seinem Haus im Bärental. Haiders Familie plante am Samstag ein Fest zum 90. Geburtstag seiner Mutter.
Österreichs Politiker nahmen Haiders Tod mit Bestürzung auf. Er sei nicht unumstritten gewesen, aber ein Politiker "von großer Begabung und Talent", sagte Präsident Heinz Fischer. "Es ist eine menschliche Tragödie", fügte er hinzu. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sagte, Haider habe die österreichische Innenpolitik über Jahrzehnte geprägt.
Dem Ansehen Österreichs schadete Haider mit seinen Äußerungen zur NS-Zeit. So hatte er 1991 die Beschäftigungspolitik des Dritten Reichs als "ordentlich" gelobt. Zuletzt trat Haider gemäßigt auf, blieb aber bei seiner Forderung nach einer strikten Begrenzung der Einwanderung nach Österreich und harscher Kritik an der Europäischen Union (EU).
Bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen feierte Haider mit dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) einen Wahlerfolg. Die Partei konnte ihren Stimmenanteil auf elf Prozent nahezu verdreifachen. Haider hatte 2005 die Freiheitliche Partei (FPÖ) gespalten und das BZÖ gegründet. Als Landeshauptmann (Ministerpräsident) des südlichen Bundeslandes Kärnten war Haider beliebt. Er hätte alle Chancen gehabt, die Landtagswahl 2009 zu gewinnen. In Kärnten regierte er seit fast zehn Jahren.
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