Nordkorea droht Südkorea mit vollständiger Zerstörung

Dienstag, 28. Oktober 2008, 16:00 Uhr
 

Seoul (Reuters) - Nordkorea hat Südkorea die vollständige Zerstörung angedroht.

Das Militär des kommunistischen Landes warf dem südlichen Nachbarn am Dienstag eine Lügenkampagne vor und erklärte, sollte diese nicht beendet werden, werde die Armee ihr gesamtes Arsenal anwenden. "Das Marionettenregime sollte sich klar darüber sein, dass unser progressive Präventivschlag es nicht nur unter Feuer nehmen, sondern alles in Trümmer legen wird, was gegen unsere Nation und die Wiedervereinigung ist", hieß es in der Erklärung. Konkret kritisierte die Militärführung eine Flugblattaktion südkoreanischer Bürgerrechtler. Die Aktivisten haben in den vergangenen Monaten wiederholt kritische Erklärungen per Luftballon in den Norden geschickt.

"Wir bekräftigen unsere Haltung, dass wir eine entschlossene praktische Aktion unternehmen werden, wenn das südkoreanische Marionettenregime weiterhin Flugschriften verbreitet und die Lügenkampagne mit reinen Phantasiegespinsten fortsetzt", betonte das nordkoreanische Militär. Nordkorea hatte die Aktion am Montag bei einem der wenigen Treffen von Militärs beider Seiten scharf kritisiert. Trotz Warnungen der Regierung in Seoul schickten die Bürgerrechtler jedoch erneut 100.000 Flugblätter per Ballon ab. Experten zufolge hat die jüngste Aktion die Führung in Pjöngjang an einem empfindlichen Punkt getroffen. Das Papier setzte sich mit dem Gesundheitszustand des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il auseinander, über den seit August gerätselt wird, da Kim öffentliche Termine nicht mehr wahrnahm. Zudem zeigten die Flugblätter einen Familienstammbaum Kims, auf dem einige angebliche Kinder des Machthabers eingetragen sind, die er mit verschiedenen Frauen gezeugt haben soll.

Die Spekulationen über Kims Gesundheitszustand erhielten am Dienstag neue Nahrung: Japans Ministerpräsident Taro Aso sagte, er gehe davon aus, dass Kim trotz einer Krankheit weiterhin die Kontrolle über seinen abgeschotteten Staat habe. Geheimdienstinformationen mehrerer Länder wiesen darauf hin, dass Kims Zustand nicht besonders gut sei und er vermutlich im Krankenhaus behandelt werde. Kim könne aber vermutlich weiterhin Entscheidungen für sein Land treffen.

Bei schwerer Krankheit oder Tod des Machthabers wird ein Machtvakuum in dem hochmilitarisierten Land befürchtet, dessen Armee mit rund 1,1 Millionen Soldaten mehr als viermal so groß ist wie die Bundeswehr. Nach südkoreanischer Einschätzung könnte Nordkorea zudem in der Lage sein, Atomwaffen herzustellen.

Das Verhältnis zwischen den beiden Koreas hat sich seit dem Amtsantritt des neuen südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak im Februar verschlechtert. Er hatte einen harten Kurs gegenüber dem Norden angekündigt. Die USA haben seit dem Koreakrieg von 1950-53 Tausende Soldaten in Südkorea stationiert.

Wie der südkoreanische Geheimdienst am Dienstag mitteilte, überwand ein nordkoreanischer Soldat am Wochenende die mit Minen bestückte "entmilitarisierte Zone" zwischen den beiden Ländern und setzte sich in den Süden ab. Seit 1998 sind nach örtlichen Medienberichten erst drei Menschen über die schwer gesicherte vier Kilometer breite Zone nach Südkorea gelangt. Der Landstreifen teilt die koreanische Halbinsel seit dem Krieg. Einen Friedensvertrag gibt es bislang nicht, offiziell herrscht nur ein Waffenstillstand.