Israels Armee spaltet Gazastreifen

Sonntag, 4. Januar 2009, 16:55 Uhr
 

Gaza (Reuters) - In heftigen Gefechten mit der radikal-islamischen Hamas hat die israelische Armee den Gazastreifen in zwei Teile aufgespalten.

Die Truppen umzingelten in ihrer Bodenoffensive am Sonntag zudem Gaza-Stadt. Beim Vormarsch der Soldaten in das Palästinensergebiet wurden nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern mindestens 37 Palästinenser getötet, die meisten Zivilisten. Der israelischen Armee zufolge wurden seit dem Einmarsch am Samstagabend ein Soldat getötet und 32 verletzt.

Israelische Granaten schlugen in Häuser und im Einkaufszentrum von Gaza ein. Soldaten feuerten mit Maschinengewehren auf vermutete Stellungen der Hamas, Kampfflugzeuge bombardierten das Gebiet aus der Luft. Die Hamas-Kämpfer antworteten mit Raketen und Mörsergranaten.

Ein Militärsprecher sagte, der Einsatz im Gazastreifen könne viele Tage andauern. Ministerpräsident Ehud Olmert nannte den Einsatz unvermeidlich. "Es wird nicht leicht werden. Es wird nicht schnell gehen", erklärte Verteidigungsminister Ehud Barak in einer Fernsehansprache. Das Ziel der Offensive sei es, die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen zu stoppen. Dennoch schlugen allein am Sonntag 25 Raketen in Israel ein. Dabei wurde eine Frau in Sderot verletzt. Vier Israelis kamen seit Beginn der Kämpfe am vergangenen Wochenende durch Raketenangriffe auf den Süden des Landes ums Leben.

Erstmals seit Beginn der Kämpfe um den Gazastreifen erschossen israelische Soldaten auch im Westjordanland einen palästinensischen Demonstranten. Seit Beginn der israelischen Luftangriffe vor einer Woche kamen über 500 Palästinenser ums Leben. Seit Beginn der Operation "Gegossenes Blei" am 27. Dezember wurden mehr als 2000 Palästinenser verletzt. Im Gazastreifen leben 1,5 Millionen Menschen auf engstem Raum zusammen. Seit Tagen verschanzen sie sich in ihren Häusern. Hilfsorganisationen warnen, dass Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente knapp werden.

UN-GENERALSEKRETÄR FORDERT SOFORTIGES ENDE DER KÄMPFE

International löste der Beginn der Bodenoffensive am Samstag Sorgen und Kritik aus. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlangte das sofortige Ende der Kämpfe. In einem Telefonat mit Olmert äußerte er sich extrem besorgt und enttäuscht. Der UN-Sicherheitsrat kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Mehrere UN-Diplomaten berichteten, die USA hätten sich dabei geweigert, die Forderung Libyens nach einer sofortigen Waffenruhe im Gazastreifen zu unterstützen.

Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, das unbestreitbare Recht auf Selbstverteidigung erlaube nicht, dass vor allem Zivilisten leiden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte in Telefonaten mit seiner israelischen Amtskollegin Zipi Livni und US-Außenamtschefin Condoleezza Rice, es müsse alles getan werden, damit sich die dramatische humanitäre Situation der Menschen in Gaza nicht weiter zuspitze und dringend benötigte Hilfslieferungen sie erreichten. "Natürlich sollte es so schnell wie möglich einen Waffenstillstand geben, aber wir brauchen einen Waffenstillstand, der andauernd, nachhaltig und unbefristet ist", erklärte Steinmeier.   Fortsetzung...