Djerba-Prozess in Paris eröffnet - Deutscher angeklagt

Montag, 5. Januar 2009, 19:44 Uhr
 

Paris (Reuters) - Der deutsche Konvertit Christian Ganczarski muss sich seit Montag wegen des Selbstmordanschlags von Djerba vor einem Gericht in Paris verantworten.

Dem 42-Jährigen wird vorgeworfen, zu den Hintermännern des Attentats auf der tunesischen Ferieninsel vor knapp sieben Jahren zu gehören, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen und 30 verletzt wurden, einige davon schwer. Unter den Toten waren auch 14 Deutsche. In Abwesenheit angeklagt ist der Pakistaner Khalid Sheikh Mohammed, der als Chefplaner der Anschläge vom 11. September 2001 gilt und im US-Lager Guantanamo auf Kuba gefangengehalten wird. Mit auf der Pariser Anklagebank sitzt dagegen der Bruder des tunesischen Selbstmordattentäters. Den drei Beschuldigten drohen in dem auf fünf Wochen angesetzten Prozess lebenslange Haftstrafen.

"Was hier geschieht, ist nicht eine Suche nach der Wahrheit, sondern eine Hinrichtung", sagte Ganczarski, der ursprünglich aus Polen stammt. "Ich habe mit den Anschlägen nichts zu tun. Aber es berührt mich sehr, wenn unschuldige Menschen sterben." Ganczarski trat laut Gerichtdokumenten 1986 zum Islam über und verbrachte Zeit in Saudi-Arabien und Afghanistan. Auf der Anklagebank murmelte er Gebete.

Der Attentäter von Djerba hatte sich am 11. April 2002 mit einem Gaslaster vor einer historischen Synagoge in die Luft gesprengt. Kurz zuvor hatte er per Satellitentelefon um Ganczarskis Segen gebeten; deutsche Ermittler hörten das Gespräch ab. Der Bruder des Attentäters soll das Satellitentelefon besorgt haben, bestreitet aber ebenso wie Ganczarski, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben. Sheikh Mohammed wird der Finanzierung des Attentats beschuldigt. Auch mit ihm sprach der Attentäter noch kurz vor der Tat. Sheikh Mohammed hatte in Guantanamo keine Gelegenheit, sich gegenüber der französischen Justiz zu äußern.

Ganczarskis Verteidiger forderte zu Prozessbeginn, die Vorwürfe gegen den seinen Mandanten fallenzulassen, weil dieser wegen einer politischen Vorverurteilung keine Chance auf einen fairen Prozess habe. Zur Begründung verwies der Anwalt auf Äußerungen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, der 2003 als Innenminister den Deutschen als hochrangigen Al-Kaida-Verantwortlichen mit Kontakten zu Extremistenchef Osama bin Laden bezeichnet hatte.

Der Deutsche, der seit 2003 in französischer Haft sitzt, hat das Telefonat mit dem Attentäter zwar zugegeben, bestreitet aber einen Zusammenhang mit der Tat. Die Anklage sieht in ihm dagegen den früheren Informations- und Telekommunikationsspezialisten von Al-Kaida. Im Prozess will sie auch ein von der US-Armee zur Verfügung gestelltes Video vorführen, das Ganczarski im Januar 2000 in Begleitung bin Ladens sowie des Anführers der Attentäter vom 11. September, Mohammed Atta, zeigt. Der Deutsche hat das Treffen als Zufallsbegegnung bezeichnet.

 
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