USA begrüßen deutsche Truppenzusage für Afghanistan

Freitag, 20. Februar 2009, 06:52 Uhr
 

Krakau (Reuters) - Deutschland verstärkt seine Truppen in Afghanistan um 600 Soldaten.

Die zusätzlichen Kräfte sollten die für Herbst geplante Präsidentenwahl absichern, aber auch die schnelle Eingreiftruppe in Kundus unterstützen, kündigte Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Rande eines Treffens mit seinen Nato-Kollegen am Donnerstag in Krakau an. Wann die Aufstockung beginnen und wie lange sie dauern soll, ließ er offen. Er verwies darauf, dass der als Wahltermin angepeilte 20. August noch nicht endgültig feststeht. Die Nato-Verteidigungsminister beraten bis Freitag über ein stärkeres Engagement am Hindukusch.

Die USA begrüßten die deutsche Truppenzusage. "Wir ermutigen auch andere Länder das zu tun, was wir und die Deutschen getan haben, und vor der Wahl mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken", erklärte der Sprecher von Verteidigungsminister Robert Gates, Geoff Morrell.

US-Präsident Barack Obama hatte vor einigen Tagen die massive Verstärkung der US-Truppen um 17.000 Soldaten angekündigt. Im Gegenzug erhoffen sich die USA allerdings auch deutlich mehr Unterstützung ihrer Verbündeten - sei es durch die Entsendung zusätzlicher Truppen oder durch mehr Hilfe beim zivilen Aufbau und der Polizeiausbildung. Für die neue US-Regierung ist es der erste Auftritt bei einem Nato-Treffen. Gates war allerdings auch schon unter George W. Bush im Amt.

Jung begrüßte die Initiative Obamas und verwies darauf, dass Deutschland die Hilfe für Afghanistan bereits von 80 auf 170 Millionen Euro aufgestockt habe. Zugleich wandte er sich aber gegen Bestrebungen seines US-Kollegen, die schnelle Eingreiftruppe der Nato zeitweilig zur Absicherung der Wahl nach Afghanistan zu schicken. "Die NRF (Nato Response Force) sollte nicht als Reserve in Betracht kommen", warnte Jung. Die Truppe habe grundsätzlich andere Aufgaben. Der 25.000 Soldaten starke Verband existiert bisher hauptsächlich auf dem Papier, weil sich die Verbündeten nicht über seine Aufgaben einigen können.

Die USA bekräftigten ihre Absicht, sich in Afghanistan besser mit den Verbündeten abzustimmen. Die Überprüfung der US-Strategie werde nach den Worten von Gates deutlich vor dem Gipfeltreffen der Allianz Anfang April in Straßburg und Baden-Baden beendet sein, sagte Nato-Sprecher James Appathurai. Damit bleibe bis zum Gipfel ausreichend Zeit für die Abstimmung mit den Alliierten.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer forderte mehr zivile Unterstützung für Afghanistan. "Wir sollten da mehr tun", erklärte er. Außerdem warb er erneut für eine engere militärische Zusammenarbeit mit dem Nachbarstaat Pakistan, um den Konflikt in Afghanistan in den Griff zu bekommen. Pakistans Stabilität sei entscheidend für den Erfolg des Afghanistan-Einsatzes, sagte er in Krakau. Die Nato hatte sich vor einigen Tagen besorgt darüber geäußert, dass Pakistan die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, im Swat-Tal zugelassen hat.

Die Entsendung 600 weiterer Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan ist durch das bisherige Bundestagsmandat gedeckt, nach dem bis zu 4500 deutsche Soldaten an den Hindukusch geschickt werden können. Derzeit ist die Bundeswehr dort mit knapp 3600 Soldaten im Einsatz. Auch Italien hat zugesagt, 500 zusätzliche Soldaten zur Verfügung zu stellen. Ein geordneter Ablauf der Wahl ohne schwerwiegende Störungen durch die islamistischen Taliban gilt als entscheidend für die weitere Entwicklung Afghanistans.