Anschlag auf britische Truppen in Nordirland - Zwei Tote

Montag, 9. März 2009, 07:13 Uhr
 

Belfast (Reuters) - Bei einem der schwersten Anschläge seit dem Friedensabkommen für Nordirland vor elf Jahren sind zwei britische Soldaten getötet worden.

Vier weitere Menschen wurden am Samstag bei dem Angriff auf den britischen Militärstützpunkt Massereene verletzt, wie die Polizei mitteilte. Am Sonntag bekannte sich die Gruppe "Real IRA", eine Splittergruppe der katholischen pro-irischen Separatistenorganisation Irisch-republikanische Armee (IRA), gegenüber einer Zeitung zu dem Anschlag.

Ein junger Mann habe bei der Zeitung "Sunday Tribune" angerufen und sich zu dem Anschlag vom Vorabend bekannt, sagte die "Tribune"-Journalistin Suzanne Breen. "Er sagte, er und die 'Real IRA' würden sich nicht für den Anschlag auf britische Soldaten entschuldigen, weil sie seiner Aussage zufolge weiterhin Nordirland besetzt hielten", sagte Breen dem Fernsehsender Sky News. In den kommenden Tagen wolle die Gruppe weitere Details zu der Tat bekanntgeben.

Medien zufolge nahmen die Opfer gerade eine Pizza-Lieferung entgegen, als sich die Angreifer in einem Auto näherten und das Feuer eröffneten. Britische und irische Politiker verurteilten am Sonntag die Tat und erklärten, sie könne nicht den Friedensprozess ins Wanken bringen. Die nationalistische Sinn Fein nannte den Anschlag "falsch und kontraproduktiv."

Ziel des Anschlags war die Kaserne Massereene nahe der Ortschaft Antrim rund 25 Kilometer nordwestlich von Belfast. Nach einen Bericht des irischen Senders RTE wurde zunächst das Feuer auf die Soldaten eröffnet, dann näherten sich die Angreifer und schossen auf ihre am Boden liegenden Opfer. Die beiden getöteten Soldaten seien Anfang 20 gewesen und sollten in Kürze zum Einsatz nach Afghanistan fliegen. Unter den vier Verletzten seien auch zwei Pizza-Lieferanten.

Erst vergangene Woche hatte Nordirlands Polizeichef gewarnt, dass die Bedrohung durch pro-irische Dissidenten so hoch sei wie noch nie seit dem Friedensabkommen von 1998. Aus diesem Grund seien Spezialkräfte der Armee in die Provinz beordert worden, um die Gefährdungslage aufzuklären. Nationalistische Politiker hatten sich verärgert über die Rückkehr der zuletzt im Irak und in Afghanistan eingesetzten Spezialkräfte in die Provinz gezeigt.

Der Präsident der nationalistischen Partei Sinn Fein, Gerry Adams, erklärte, die Verantwortlichen wollten die Fortschritte der jüngsten Zeit zunichtemachen und neue Konflikte schüren. Sie hätten keine Unterstützung. Vielmehr sei es die Pflicht der Republikaner, die Tat zu verurteilen. Peter Robinson, Vorsitzender der größten Protestanten-Partei Nordirlands und Chef der Einheitsregierung der britischen Provinz, sagte: "Das ist eine furchtbare Erinnerung an die Ereignisse der Vergangenheit."

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown sagte, das ganze Land stehe wegen der bösartigen and feigen Tat unter Schock. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um die Sicherheit Nordirlands zu gewährleisten", sagte Brown auf Sky News. Auch die oppositionellen Konservativen in London sowie die Regierung Irlands verurteilten die Tat.

Großbritannien und Irland vermittelten gemeinsam das Karfreitagsabkommen, das 1998 den Bürgerkrieg in der britischen Provinz Nordirland nach 30 Jahren beendete. In dem Konflikt zwischen der katholischen pro-irischen Separatistenorganisation Irisch-republikanische Armee (IRA) und den protestantischen pro-britischen Untergrundgruppen starben mehr als 3000 Menschen.