Irans Wächterrat will zehn Prozent der Stimmen neu auszählen

Samstag, 20. Juni 2009, 13:00 Uhr
 

Teheran (Reuters) - Nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Iran will der Wächterrat zehn Prozent der Stimmen per Zufallsprinzip neu auszählen lassen.

Bei der Überprüfung sollten Vertreter der drei unterlegenen Kandidaten anwesend sein, sagte ein Sprecher des Rats am Samstag im iranischen Staatsfernsehen. Er betonte, dass der Wächterrat zu einer Neuauszählung eigentlich nicht verpflichtet sei.

Bereits am Freitag hatte das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei die Wahl als rechtens bezeichnet und dem im Amt bestätigten Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad den Rücken gestärkt. Zugleich warnte er die Regierungsgegner, dass es bei weiteren Protesten zu einem Blutvergießen kommen werde. Die drei Gegenkandidaten fordern eine Wiederholung der Abstimmung, weil sie hinter dem unerwartet deutlichen Sieg von Ahmadinedschad massiven Wahlbetrug vermuten.

Das iranische Staatsfernsehen berichtete unterdessen, dass eine Gruppe gemäßigter Geistlicher eine für Samstag geplante Protestkundgebung abgesagt habe. Kurz darauf erklärte ein Sprecher des unterlegenen Kandidaten Mehdi Karubi, die geplante Demonstration falle aus. Die Polizei hatte zuvor angekündigt, "hart und entschlossen" gegen Demonstranten vorzugehen. Bislang sind bei Protesten gegen das Wahlergebnis nach offiziellen Angaben bis zu acht Menschen getötet worden. Regierungsgegner sprechen von deutlich mehr Todesopfern.