US-Kampftruppen haben irakische Städte verlassen

Dienstag, 30. Juni 2009, 19:05 Uhr
 

Bagdad (Reuters) - Sechs Jahre nach dem Beginn des Irakkrieges zum Sturz von Saddam Hussein hat der Irak die Souveränität über seine Städte wiedererlangt.

Die US-Kampftruppen wurden in Stützpunkte außerhalb der Städte verlegt. Bis Mitternacht am Dienstag sollte der Abzug abgeschlossen sein. Die Regierung rief den Tag zum Nationalen Feiertag der Souveränität aus. Begleitet wurde der Abzug von einem Anschlag in der nordirakischen Kurdenstadt Kirkuk, bei dem mindestens 25 Menschen ums Leben kamen.

Der Tag sei eine Errungenschaft aller Iraker, sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki in einer Fernsehansprache. "Jene, die denken, die Iraker könnten ihr Land nicht selbst verteidigen, machen einen schweren Fehler", sagte er. In den Straßen von Bagdad feierten viele Bürger mit Fahrzeugkorsos den Abzug der US-Truppen. Ihre Autos hatten sie mit Fahnen und Blumen geschmückt. Manche haben aber auch die Sorge, dass die Städte nun schutzlos weiteren Anschlägen ausgeliefert sind. Am Montag waren vier US-Soldaten aus Bagdad an Kampfverletzungen gestorben. In den vergangenen Tagen wurden zudem zwei der schwersten Anschläge seit einem Jahr im Irak verübt. Dabei starben 150 Menschen. Der Anschlag am Dienstag in Kirkuk war gegen einen belebten Markt gerichtet. Mindestens 40 Menschen wurden zudem verletzt.

Bis August 2010 sollen die US-Kampftruppen aus dem Golfstaat in die Heimat zurückkehren und bis 2012 die übrigen Soldaten folgen. Derzeit sind noch etwa 130.000 US-Soldaten im Land. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, die Streitkräfte hätten 120 Stützpunkte und andere Einrichtungen geschlossen oder an irakische Truppen übergeben. Weitere 30 sollten bis Dienstag 24.00 Uhr folgen.

IRAKISCHE TRUPPEN FEIERN MIT PARADE

Zu den Feiern in Bagdad gehörte eine Parade in der besonders bewachten Grünen Zone, wo Regierung und Botschaften ihren Sitz haben. Diese Zone war für die Iraker das ultimative Symbol für die ausländische Militärpräsenz in der Hauptstadt, bis eigene Truppen im Januar die Bewachung des Geländes übernahmen. Tausende Soldaten und Polizisten nahmen zu Fuß, in gepanzerten Fahrzeugen und Panzern an der Parade teil. Viele der Fahrzeuge waren den Irakern von den US-Truppen übergeben worden.

Im Staatsfernsehen wurde ständig eine Uhr eingeblendet, die die Minuten bis zum völligen Abzug der US-Truppen aus den Städten zählte. In ganz Bagdad wurden an den allgegenwärtigen Bombenschutzmauern Schilder mit der Aufschrift befestigt: "Irak: meine Nation, meine Herrlichkeit, meine Ehre".

Dennoch lag auch Spannung in der Luft: Vor dem Hintergrund der schweren Bombenanschläge in der vergangenen Woche wurde die irakische Polizei in höchste Alarmbereitschaft versetzt. In Bagdad riegelten Polizisten und Militär bereits am Sonntag Straßen ab und kontrollierten Fahrzeuge. Vertreter der USA und des Iraks haben vor einer Zunahme der Gewalt im Zusammenhang mit dem Abzug der US-Truppen sowie der Parlamentswahl im Januar gewarnt.

EINIGE US-EINHEITEN BLEIBEN ZURÜCK

Einige wenige US-Soldaten werden auch über den Juni hinaus in städtischen Zentren bleiben, um die irakischen Truppen auszubilden und zu beraten. Darunter befinden sich Spezialkräfte und Einheiten zur Steuerung von Aufklärungsflugzeugen. Außerhalb der Städte können die amerikanischen Kampftruppen weiter agieren. Die Einsätze sollen aber mit den irakischen Behörden abgesprochen werden.