OAS setzt Mitgliedschaft von Honduras aus

Sonntag, 5. Juli 2009, 14:56 Uhr
 

Washington/Tegucigalpa (Reuters) - Als Reaktion auf den Militärputsch in Honduras hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Mitgliedschaft des Landes ausgesetzt.

Die OAS entschied sich für den außergewöhnlichen Schritt, nachdem Honduras am Samstag ein Ultimatum hatte verstreichen lassen, dem zufolge der gestürzte Präsident Manuel Zelaya wieder eingesetzt werden sollte. Zelaya kündigte bei der OAS-Sitzung in Washington an, am Sonntag in seine Heimat zurückkehren zu wollen. Mehrere Mitgliedstaaten warnten den mittlerweile eher linksgerichteten früheren Geschäftsmann jedoch aus Angst vor weiteren Spannungen vor dem Schritt. Die neue Regierung in Tegucigalpa zeigte sich unnachgiebig.

Honduras selbst nahm an der OAS-Abstimmung nicht teil, die einstimmig ausfiel. Durch den Schritt könnte es für eines der ärmsten Staaten Lateinamerikas schwieriger werden, Kredite der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank zu erhalten. Einige OAS-Staaten wie Venezuela und Brasilien hatten gefordert, auch ein Ende der bilateralen Zusammenarbeit in die Resolution aufzunehmen. Diplomaten zufolge stellten sich jedoch unter anderem die USA, Kanada, Mexiko und Kolumbien dagegen. Nach Kuba ist Honduras das zweite Land, dessen OAS-Mitgliedschaft ausgesetzt wurde.

Die Übergangsregierung von Honduras hatte die Rückkehr Zelayas ins Amt zuvor erneut abgelehnt und sich von der OAS-Charta losgesagt. "Es ist besser, diesen hohen Preis zu zahlen (...), als unwürdig zu leben und sich den Forderungen ausländischer Regierungen zu beugen", sagte Übergangspräsident Roberto Micheletti. Zelaya war am Sonntag vor einer Woche im Streit über eine zweite Amtszeit vom Militär außer Landes gebracht worden. Der Sturz löste Proteste in Honduras und massive internationale Kritik aus. Es war der erste Putsch in Südamerika seit den Zeiten des Kalten Kriegs.

Zelaya wollte noch am Sonntag in Begleitung befreundeter lateinamerikanischer Präsidenten nach Honduras zurückkehren. Die dortige Übergangsregierung will Zelaya festnehmen lassen, sollte er honduranischen Boden betreten. Ob OAS-Generalsekretär Jose Miguel Insulza Zelaya begleiten würde, stand nicht fest. Die Organisation beauftragte ihn, die diplomatischen Bemühungen um eine Wiedereinsetzung Zelayas zu verstärken.

Am Samstag gingen in Tegucigalpa Tausende Zelaya-Anhänger auf die Straße. Sie wurden von Soldaten und Hubschraubern überwacht. In der Stadt ist es weitgehend friedlich geblieben. Weiterhin gilt eine nächtliche Ausgangssperre.

 
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