Irans regierungsnahe Presse attackiert Rafsandschani nach Gebet

Samstag, 18. Juli 2009, 13:22 Uhr
 

Teheran (Reuters) - Der einflussreiche Geistliche Akbar Haschemi Rafsandschani hat mit seinem Angriff auf die iranische Führung beim Freitagsgebet die Kritik der regierungsnahen Presse auf sich gezogen.

Rafsandschani unterstütze öffentlich Verbrecher, hieß es in einem Leitartikel der Zeitung "Kayhan" (Samstagsausgabe). Auch die Äußerung des früheren Staatspräsidenten, der Iran stecke in einer Krise, sei falsch. "Das aussagekräftigste Wort, die derzeitige Lage zu beschreiben ist 'Verschwörung'", schrieb "Kayhan"-Chefredakteur Hossein Schariatmadari.

Der Leitartikel signalisiert die zunehmende Kluft in der iranischen Gesellschaft nach der umstrittenen Wahl am 12. Juni. Schariatmadari gilt als Hardliner. Er fordert auch, dass der bei der unterlegende Präsidentschaftskandidat Mirhossein Mussawi und ein weiterer führender Reformer wegen "schrecklicher Verbrechen" vor Gericht gestellt werden.

Begleitet von den größten Massenprotesten seit knapp einem Monat hatte Rafsandschani die politische Führung unter Ajatollah Ali Chamenei scharf attackiert. In seinem Freitagsgebet sprach er von eindeutigen Verstößen bei der Wahl und stellte das offizielle Endergebnis in Frage, wonach Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad die Abstimmung gewonnen hat. Zugleich verlangte Rafsandschani, der im Wahlkampf Mussawi unterstützt hatte, die Freilassung inhaftierter Demonstranten und eine Lockerung der Pressezensur.

Rafsandschani ist der Vorsitzende des Expertenrats, der den Obersten Führer theoretisch absetzen kann. Chamenei hatte die Wahl mehrmals als sauber bezeichnet. Bei den Protesten gegen das Wahlergebnis sind nach offiziellen Angaben bislang 20 Menschen getötet worden. Die Opposition spricht von deutlich mehr Toten. Hunderte wurden verhaftet.

Die iranische Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi nannte die Demonstrationen vom Freitag ein historischen Ereignis nicht nur für ihr Land, sondern für die ganze islamische Welt. Zugleich begrüßte sie im "Spiegel" die Predigt Rafsandschanis, der die Führung der Islamischen Republik aber nicht entschieden genug kritisiert habe. Eine Versöhnung zwischen Führung und Bevölkerung gebe es nur, wenn die Regierenden den Willen des Volkes respektierten und nicht weiter mit Gewalt gegen die Reformbewegung vorgehe.

 
<p>Iran's former President Ali Akbar Hashemi Rafsanjani delivers his speech during Friday prayers in Tehran July 17, 2009. Rafsanjani said Iran was in a "crisis" after last month's disputed election, in the first such comment by a senior establishment figure in the Islamic Republic. REUTERS/ISNA (IRAN POLITICS RELIGION IMAGES OF THE DAY)</p>