Dalai Lama darf nach Taiwan reisen - China protestiert
Taipeh (Reuters) - Taiwan hat trotz Protesten der chinesischen Regierung grünes Licht für einen Besuch des Dalai Lama gegeben.
Das geistliche Oberhaupt der Tibeter werde in dem von dem Taifun Morakot verwüsteten Teil der Insel erwartet, um dort für die Todesopfer und Überlebenden der Katastrophe zu beten, teilte das Informationsbüro der Regierung Taiwans am Donnerstag mit.
Chinas Reaktion fiel scharf aus. Egal, aus welchem Grund der Friedensnobelpreisträger nach Taiwan kommen wolle - "wir sind entschieden dagegen", ließ die Regierung in Peking über die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua mitteilen. Ein Mitarbeiter des Dalai Lama sagte in der indischen Stadt Dharamsala, die Planungen für die Reise liefen bereits. Ein konkretes Datum stehe aber noch nicht fest. Angepeilt wird offenbar die kommende Woche.
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz. Dem Dalai Lama, der 1959 nach einem gescheiterten Aufstand gegen die chinesischen Machthaber ins indische Exil floh, wirft sie vor, die Unabhängigkeit Tibets anzustreben. Zahlreiche Exil-Tibeter leben in Taiwan, das zugleich Heimat von Millionen Buddhisten ist.
Von der Opposition kontrollierte Lokalverwaltungen hatten nach Angaben der Regierung Taiwans die Einladung an den Dalai Lama ausgesprochen. Dadurch geriet Präsident Ma Ying-Jeou, der seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr einen Entspannungskurs mit China verfolgt und sich 2008 gegen einen Besuch des Dalai Lama ausgesprochen hatte, offenbar unter Zugzwang. Am Mittwochabend berieten seine Mitarbeiter und nationale Sicherheitskräfte fünf Stunden, bevor sie entschieden, einem dritten Besuch des Dalai Lama nach 1997 und 2001 zuzustimmen. Experten vermuteten, dass Ma sich womöglich um sein Ansehen in der Öffentlichkeit sorge, zumal er sich Vorwürfen ausgesetzt sieht, zu langsam auf die Wirbelsturm-Katastrophe reagiert zu haben.
Morakot war Anfang August über die Insel hinweggefegt. Es wird befürchtet, dass etwa 650 Menschen starben. Seit einem halben Jahrhundert wütete in Taiwan kein Taifun mehr so verheerend wie Morakot.
Ma begründete bei einem Besuch der Katastrophenregion seine Zustimmung damit, dass der Dalai Lama den Opfern des Taifuns Trost spenden wolle. Die empörte Reaktion Chinas war vorhersehbar, da das Land regelmäßig gegen Einladungen des Dalai Lama ins Ausland protestiert. Experten bezweifelten allerdings, dass China es auf eine Eskalation ankommen lassen wird. Darauf deutete ihrer Ansicht nach ein Zusatz in der Reaktion der Regierung in Peking, der sich nicht gegen Ma sondern gegen die Opposition Taiwans richtete. Diese sei es, die mit ihrer Einladung versuche, die positive Entwicklung der Beziehungen zwischen China und Taiwan zu sabotieren, hieß es darin.
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