Unruhen in Teheran zum Jahrestag der Botschaftsbesetzung

Mittwoch, 4. November 2009, 16:51 Uhr
 

Teheran (Reuters) - Am 30. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft haben sich Polizei und Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran schwere Straßenschlachten geliefert.

Die Sicherheitskräfte hätten in die Menge auf dem Haft-e-Tir-Platz geschossen, nachdem eine Demonstration zum Jahrestag außer Kontrolle geraten sei, berichtete die oppositionsnahe Internetseite Mowjcamp am Mittwoch. Einige Menschen seien verletzt worden. Auch an anderen Orten wie in der Stadt Shiraz gebe es Proteste. US-Präsident Barack Obama rief den Iran zum Jahrestag der Geiselnahme in der Botschaft zu einem Neubeginn in den Beziehungen und zu Zugeständnissen bei seinem umstrittenen Atomprogramm auf.

Die Oppositionsführer Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi, die bei der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni vergeblich gegen Staatschef Mahmud Ahmadinedschad angetreten waren, hatten ihre Anhänger trotz Warnungen der Behörden zu Protesten aufgerufen. Karubi habe sich selbst in die Demonstration eingereiht, berichtete Mowjcamp. Er sei von Polizisten in Zivil angegriffen worden, hieß es auf der Website des Oppositionspolitikers. Einer seiner Leibwächter sei mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden.

"Die Polizei lieferte sich Straßenschlachten mit Hunderten Demonstranten, die riefen: Tod den Diktatoren", sagte ein Augenzeuge. Traditionell wird auf den Demonstrationen zum Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft "Tod Amerika" skandiert. Die Sicherheitskräfte hätten Schlagstöcke eingesetzt, um die Menge auseinanderzutreiben. Ein anderer Augenzeuge erklärte, die Polizei habe Tränengas eingesetzt und mindestens fünf Demonstranten festgenommen. "Hunderte Menschen sind auf der Straße und rufen: "Gott ist der größte." Aber die Zahl der Polizisten und Bassidsch-Milizionäre ist noch größer", sagte ein anderer Augenzeuge.

Die Revolutionswächter und die mit ihnen verbündete Bassidsch-Miliz hatten die Opposition davor gewarnt, die USA-feindlichen Demonstrationen für neue Proteste gegen die politische Führung des Iran zu nutzen. Nach der Wahl im Juni, die Ahmadinedschad eine zweite Amtszeit sicherte, war es im Iran zu den schwersten Unruhen seit dem Sturz des Schahs vor 30 Jahren gekommen. Die Behörden wiesen den Vorwurf des Wahlbetrugs zurück und warfen dem Ausland vor, die Proteste gegen das Regime zu schüren.

Vor der ehemaligen US-Botschaft, die im Iran heute offiziell als "Spionagenest" bezeichnet wird, versammelten sich Tausende Menschen zu einer offiziellen Kundgebung. Der einflussreiche Abgeordnete Gholamali Haddadadel kritisierte die Oppositionsführer in einer Rede. "Ich weiß nicht, wie sie sich vor der großen iranischen Nation rechtfertigen wollen", sagte er. "Sie nennen sich Anhänger der Revolution, aber ihre Erklärungen dienen den Interessen von Irans Feinden."

Auch vor der russischen Botschaft versammelten sich Demonstranten. Sie riefen: "Russland den Tod!" Die Regierung in Moskau hatte die Wiederwahl Ahmadinedschads umgehend anerkannt.

US-Präsident Obama appellierte in Washington an die Führung in Teheran: "Es ist an der Zeit, dass die iranische Regierung entscheidet, ob sie für ihr Volk die Tür aufstoßen will zu einem Leben mit größeren Möglichkeiten, Wohlstand und Gerechtigkeit." Er fügte hinzu: "Wir haben 30 Jahre lang gehört, wogegen der Iran ist. Nun ist die Frage: Für welche Zukunft ist der Iran?"

Während der iranischen Revolution 1979 hatten radikale Studenten die US-Botschaft im Zentrum Teherans gestürmt und 52 Amerikaner für 444 Tage als Geiseln genommen. Die USA brachen daraufhin ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran ab.

 
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