UN ziehen nach Anschlag Mitarbeiter aus Afghanistan ab
Kabul/Laschkar Gah (Reuters) - Gut eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf ein UN-Gästehaus in Afghanistan ziehen die Vereinten Nationen Hunderte Mitarbeiter ab.
Es gehe um rund 600 der insgesamt etwa 1100 ausländischen UN-Angestellten, teilte ein Sprecher der Organisation am Donnerstag mit. Einige von ihnen würden an sicherere Orte in Afghanistan gebracht, die übrigen vorübergehend ganz außer Landes geschickt. Sie sollten nach einer Verbesserung der Sicherheitslage in drei bis vier Wochen zurückkehren. Unter anderem sollten die Helfer nicht länger auf 93 Gästehäuser verteilt untergebracht werden, sondern in weniger, dafür aber besser geschützten Unterkünften.
Die Evakuierungen würden das Afghanistan-Engagement nicht beeinträchtigen, an dem die UN entschlossen festhielten, sagte der Sprecher. Die Vereinten Nationen müssten aber auch für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter sorgen. Am Mittwoch vergangener Woche hatten Extremisten ein Gästehaus in Kabul gestürmt und fünf UN-Mitarbeiter getötet.
Die Entscheidung der UN gilt als schwerer Schlag für die Bemühungen des Westens, Afghanistan zu stabilisieren. Die UN haben eine zentrale Rolle unter anderem bei der Organisation der Präsidentenwahl gespielt. Auch für die Strategie von US-Präsident Barack Obama gegen die zuletzt wieder erstarkten Taliban-Rebellen ist die Evakuierung der UN-Mitarbeiter ein Rückschlag. Obama will den Einsatz von Truppen in Afghanistan durch ein verstärktes, ziviles Hilfsengagement unterstützen. In den kommenden Wochen will Obama zudem über die Forderung seiner Militärs entscheiden, Zehntausende weitere Soldaten an den Hindukusch zu schicken.
Etwa 300 verärgerte Afghanen protestierten unterdessen im Süden des Landes gegen einen Angriff der internationalen Truppen, bei dem elf Zivilisten umgekommen sein sollen. Die Demonstranten erklärten, die Opfer seien getötet worden, als sie am späten Mittwochabend auf einem Weizenfeld außerhalb der Stadt arbeiteten. Unter den Teilnehmern des Protests waren auch Frauen, eine Seltenheit im konservativen Süden.
Die Behörden vor Ort sprachen dagegen von acht Toten, allesamt Taliban. Die Nato-Truppen feuerten nach eigenen Angaben eine Rakete auf eine Gruppe ab, die offenbar gerade eine Sprengfalle in Babadschi in der Provinz Helmand präparierte. Die Soldaten hätten keine Zivilisten dort wahrgenommen und untersuchten den Vorfall nun. Zivile Opfer durch Nato-Angriffe sind einer der großen Streitpunkte zwischen dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und den ausländischen Truppen am Hindukusch.
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