Großbritannien fordert von Karsai Anstrengungen gegen Korruption

Freitag, 6. November 2009, 13:04 Uhr
 

London (Reuters) - Großbritannien hat den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen die Korruption aufgefordert.

Davon hänge die britische Unterstützung für die Regierung Karsais ab, sagte Premierminister Gordon Brown am Freitag in einem Interview des Fernsehsenders GMTV. Er habe den wegen Zweifeln an seiner Legitimität unter Druck stehenden Karsai in mehreren Gesprächen zur Schaffung einer Anti-Korruptions-Kommission aufgerufen. Alle Verträge müssten ordentlich ausgeschrieben, alle Minister müssten überprüft und ein seriöser Gerichtshof gegründet werden, forderte Brown von Karsai. "Wenn sie dies nicht tun, dann wird es schwierig für uns, ihnen die Unterstützung zu geben, die sie wünschen", sagte Brown.

"Er (Karsai) braucht einen Vertrag mit der afghanischen Bevölkerung: einen Vertrag, mit Hilfe dessen die Afghanen und auch die internationale Gemeinschaft seinen Erfolg beurteilen können", sagte Brown kurz darauf in einer Rede. Die internationale Unterstützung für den Präsidenten hänge von dessen Einsatz und Erfolgen in fünf Kernbereichen ab: Sicherheit, Regierungsführung, nationaler Versöhnungsprozess, wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit mit den Nachbarländern.

Brown verteidigte den Afghanistan-Einsatz zugleich gegen Kritiker im eigenen Land. Großbritannien und seine Verbündeten müssten am Hindukusch bleiben, sagte der Premierminister. Die Ausbildung der Sicherheitskräfte müsse ausgebaut werden, damit sie Aufgaben von den ausländischen Truppen übernehmen könnten. "Wenn die größte terroristische Bedrohung, der Großbritannien gegenübersteht, aus Afghanistan und Pakistan kommt, dann können wir nicht, dürfen wir nicht und werden wir nicht fortgehen." Das internationale Bündnis müsse zusammenhalten. "Letztlich werden wir gemeinsam Erfolg haben oder gemeinsam scheitern", sagte Brown.

Regierungskreisen zufolge will Brown Karsai dabei helfen, bis Ende 2010 die angepeilte Armeestärke von 134.000 Soldaten zu erreichen. Zudem sollte auf gemäßigte Extremisten zugegangen werden, damit sie bei der Befriedung des Landes helfen. Großbritannien werde darauf achten, dass Karsai alle politischen Elemente des Landes unter einem Dach vereinige, sagte ein Regierungsvertreter weiter.

Karsai wurde Anfang November in seinem Amt bestätigt, nachdem sich sein Herausforderer Abdullah Abdullah aus der geplanten Stichwahl zurückgezogen hatte. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im August wurden mehr als ein Viertel der für ihn abgegebenen Stimmen für ungültig erklärt, da es zu Unregelmäßigkeiten gekommen war.