Vatikan zu Missbrauchsfällen: Alleinschuld nicht bei Kirche
Vatikanstadt (Reuters) - Der Vatikan hat eine Alleinschuld der katholischen Kirche bei Fällen von sexuellem Missbrauch in Bildungseinrichtungen zurückgewiesen.
"Fehler, die von Institutionen und Mitgliedern der Kirche begangen wurden, sind angesichts der Verantwortung bei Moral- und Bildungsfragen besonders verwerflich", sagte Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi am Dienstag. "Aber jede objektive und gutinformierte Person weiß, dass das Thema sehr viel breiter gefasst ist. Wenn die Anschuldigungen allein auf die Kirche konzentriert werden, bringt das die Dinge aus der Perspektive."
Lombardi nannte im Radiosender des Vatikans eine Studie aus Österreich, die 17 Fälle von Missbrauch in kirchennahen Einrichtungen aufliste, aber 510 in denen anderer Organisationen. "Es wäre gut, wenn man sich auch darüber Sorgen machen würde", sagte Lombardi. Er sprach sich zugleich für eine Teilnahme an dem von mehreren Bundesministerien vorgeschlagenen Runden Tisch aus, bei dem es auch um finanzielle Entschädigungen für die Opfer gehen soll.
Lombardi widersprach dem Vorwurf von Bundesjustizministern Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, dass der Vatikan die Aufarbeitung der Skandale um sexuellen Missbrauch behindert habe. Die Ministerin hatte eine Direktive der Glaubenskongregation von 2001 angeführt, die von Kardinal Joseph Ratzinger vor seiner Berufung zum Papst verfasst worden war und nach der auch schwere Missbrauchsfälle zuerst der päpstlichen Geheimhaltung unterlägen und nicht an Stellen außerhalb der Kirche weitergegeben werden sollten. Lombardi sagte, die Direktive verurteile Pädophilie als eines der schlimmsten Verbrechen nach den Gesetzen der Kirche. Zudem seien konkrete Maßnahmen gegen das Problem aufgeführt worden.
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