42 Tote bei Anschlag im Irak vor Wahlergebnis-Bekanntgabe

Freitag, 26. März 2010, 19:07 Uhr
 

Bagdad (Reuters) - Kurz vor der geplanten Bekanntgabe des vorläufigen irakischen Wahlergebnisses sind bei einem Doppel-Anschlag in der Provinz Dijala 42 Menschen getötet und 65 weitere verletzt worden.

Die beiden Sprengsätze seien am Freitag in der Stadt Chalis etwa 80 Kilometer nördlich von Bagdad explodiert, teilte die Polizei mit. Eine Bombe sei in einem Auto, eine am Rand einer Straße versteckt gewesen. Die Tat belegte einmal mehr, wie fragil die Sicherheitslage in dem Golfstaat auch gut sieben Jahre nach dem Sturz des hingerichteten Machthabers Saddam Hussein ist.

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Parlamentswahl von vor knapp drei Wochen sollte noch im Laufe des Tages bekannt gegeben werden. In Bagdad forderten Hunderte Unterstützer von Ministerpräsident Nuri al-Maliki eine Neuauszählung der Stimmen. Vor einem Regierungsgebäude in der irakischen Hauptstadt hielten die Demonstranten Plakate mit Aufschriften wie "Nein zum Betrug" in die Höhe. Auch Maliki selbst hatte eine Neuauszählung der Stimmen verlangt.

Die Lager von Maliki und seinem Herausforderer, Ex-Regierungschef Ijad Allawi, liegen Zwischenergebnissen zufolge fast gleichauf. Ein bis zwei Sitze trennen die beiden Koalitionen im 325-köpfigen Parlament nach Angaben des Wahlleiters. Einem am Sonntag veröffentlichten Teilergebnis zufolge lag das überkonfessionelle Bündnis Irakija um Allawi knapp vor der Rechtsstaat-Allianz des Schiiten Maliki.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen deutet auf Wochen oder gar Monate schwieriger Koalitionsverhandlungen für eine Regierungsbildung hin. Während sich die US-Soldaten im Land auf einen Abzug vorbereiten, hoffen die Iraker, dass eine neue Regierung die Fortschritte bei der Sicherheit bewahren kann. Beobachter fürchten eine Rückkehr der Gewalt zwischen den Konfessionsgruppen, falls die Wahl-Verlierer das Ergebnis nicht akzeptieren. Nach der Wahl 2005 zogen sich die Koalitionsverhandlungen mehr als fünf Monate hin, bei darauffolgenden Unruhen kamen Zehntausende Menschen um.