Gruppe: Iranische Ehebrecherin Aschtiani wird Mittwoch gehängt

Mittwoch, 3. November 2010, 13:26 Uhr
 

Berlin/Washington (Reuters) - Die im Iran zum Tode verurteilte Ehebrecherin Sakineh Mohammadi Aschtiani soll einer Menschenrechtsgruppe zufolge am Mittwoch gehängt werden.

Aschtiani sollte ursprünglich gesteinigt werden. Nach scharfem internationalem Protest hatte der Iran den Vollzug der Strafe Anfang September aber ausgesetzt. Die US-Regierung erklärte am Dienstagabend, man verurteile die iranischen Pläne auf das Schärfste. Der Fall zeige, dass der Iran die Menschenrechte fundamental missachte. Von den Behörden im Iran gab es zunächst weder eine Bestätigung noch ein Dementi zu dem Bericht.

Die Behörden hätten dem Gefängnis in Tabris, in dem Aschtiani einsitze, grünes Licht für die Hinrichtung durch den Strang gegeben, berichtete die Gruppe Internationales Komitee gegen Steinigung auf ihrer Webseite. Den Nachrichten zufolge, die die Gruppe erhalten habe, solle das Urteil am Mittwoch, den 3. November, vollstreckt werden. Grundlage für das Urteil sei die Beteiligung an einem Mord.

Aschtiani soll früheren Angaben des Gerichts zufolge eine Beziehung mit dem Cousin ihres Mannes gehabt haben. Der Cousin soll den Ehemann später umgebracht haben. Nach Justizangaben soll die Frau an dem Mord beteiligt gewesen sein. Im Iran wird seit 1979 die Scharia, das islamische Recht angewendet. Es sieht unter anderem für Ehebruch, Mord und Raub die Todesstrafe vor.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton teilte mit, sie sei tief besorgt angesichts der Berichte, die Exekution Aschtianis stehe möglicherweise unmittelbar bevor. Sie forderte die iranischen Behörden auf, die Todesstrafe nicht zu vollziehen. Zugleich bezweifelte Ashton, dass Aschtiani einen fairen Prozess im Iran bekommen hat. Diese Zweifel hege sie auch wegen der Inhaftierung des Anwalts und des Sohnes von Aschtiani.

Nach wochenlanger internationaler Empörung hatte der Iran die geplante Steinigung im September gestoppt und erklärt, das Urteil werde überprüft. In iranischen Medien hatte es aber bereits damals geheißen, der Mutter zweier Kinder könnte statt der Steinigung der Tod durch Erhängen drohen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte sich damals wegen des weiterhin geltenden Todesurteils tief besorgt gezeigt. Der Fall hat dem Iran internationale Kritik eingebracht und die schon wegen des Atomstreits belasteten Beziehungen zum Westen weiter verschlechtert. EU-Kommissions-Präsident Jose Manuel Barroso nannte das Steinigungs-Urteil barbarisch. Auch die Frau des französischen Präsidenten, Carla Bruni, setzte sich für Aschtiani ein. Eine iranische Zeitung bezeichnete Bruni daraufhin als Prostituierte, die den Tod verdient hätte.