Obama drängt Indien zu Annäherung an Pakistan

Sonntag, 7. November 2010, 17:01 Uhr
 

Neu-Delhi/Mumbai (Reuters) - US-Präsident Barack Obama hat den zweiten Tag seiner Indien-Reise für einen Aufruf zur Versöhnung des Landes mit Pakistan genutzt.

Die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan, neben dem ungelösten Kaschmir-Konflikt zusätzlich belastet durch die Anschläge von 2008 in Mumbai mit 166 Toten, gelten auch als zentral für die Befriedungsbemühungen der USA in Afghanistan. "Meine Hoffnung ist es, dass sich im Laufe der Zeit Vertrauen zwischen den beiden Ländern entwickelt, dass ein Dialog zustande kommt, vielleicht zuerst bei weniger umstrittenen Themen, als Schritt hin zu konfliktreicheren Themen", sagte Obama am Sonntag bei einer Rede vor Studenten in Neu-Delhi.

Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, Abdul Basit, wurde von einer indischen Nachrichtenagentur mit den Worten zitiert, die USA sollten sich für eine Lösung des Kaschmir-Konflikts mit Indien einschalten.

Beide Staaten - inzwischen Atommächte - haben bereits zwei Mal wegen Kaschmir gegeneinander Krieg geführt. Zudem wirft Indien seinem Erzfeind vor, in die Anschläge aus dem Jahr 2008 verwickelt zu sein. Sie hatten Indien dazu veranlasst, die Friedensgespräche mit Pakistan abzubrechen. Obama gedachte am Samstag am Taj Mahal Palace Hotel in Mumbai der Opfer. In indischen Medien wurde kritisiert, dass der Präsident dabei nicht die mutmaßliche Rolle Pakistans bei dem Angriff ansprach. Pakistan ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA beim Kampf gegen die Al-Kaida im Grenzgebiet zu Afghanistan.

AUFTRÄGE FÜR US-FIRMEN IM WERT VON ZEHN MILLIARDEN DOLLAR

Obama würdigte zugleich das Engagement Indiens in Afghanistan. Indien hat dem Land 1,3 Milliarden Dollar Hilfen überlassen. Damit will die Regierung in Neu-Delhi auch für mehr Stabilität am Hindukusch sorgen und hofft, dass Afghanistan künftig nicht für Indien-feindliche Islamisten als Rückzugsgebiet zur Vorbereitung von Anschlägen genutzt werden kann. Obama appellierte auch an Pakistan, mehr für die Sicherheit im eigenen Land zu tun. "Es gibt vermutlich mehr Pakistaner in Pakistan, die von Terroristen getötet wurden, als irgendwo anders", sagte Obama. Auch Indien hat Pakistan lange vorgeworfen, nicht ausreichend gegen Milizen im eigenen Land vorzugehen.

Bei seiner zehntägigen Asien-Reise soll Obama auch Indonesien, Südkorea und Japan besuchen. Ab Donnerstag findet in Südkorea der G20-Gipfel statt, bei dem in großer Runde über Währungen gesprochen werden soll. Obama, dessen Demokraten bei den Kongresswahlen vor wenigen Tagen eine herbe Niederlage einstecken mussten, ist bemüht, Exporte und den Arbeitsmarkt in Schwung zu bekommen, auch durch Geschäfte mit aufstrebenden Volkswirtschaften wie Indien.

Obama verkündete in Indien Aufträge für US-Firmen im Wert von zehn Milliarden Dollar, darunter bereits länger laufende Geschäfte wie die Lieferung von General-Electric-Gasturbinen und Passagierflugzeugen von Boeing. Außerdem sollen Exportbeschränkungen aufgehoben werden, die 1998 nach den indischen Atomtests erlassen worden waren. Auch der Technologie-Export soll erleichtert werden.

 
<p>U.S. President Barack Obama and first lady Michelle Obama greet the children of workers who restore New Delhi's historical buildings, as they tour Humayun's tomb in New Delhi November 7, 2010. REUTERS/Jason Reed</p>