Ägyptens Präsident Mubarak offenbar vor Rücktritt

Donnerstag, 10. Februar 2011, 18:38 Uhr
 

Kairo (Reuters) - Nach 30 Jahren autoritärer Herrschaft steht der ägyptische Präsident Husni Mubarak offenbar vor dem Rücktritt.

"Höchst wahrscheinlich", antwortete ein Regierungsvertreter am Donnerstag auf die Frage der Nachrichtenagentur Reuters, ob der 82-Jährige sein Amt aufgeben werde. Das sei eine Frage von Stunden. Mubarak wollte sich Abend in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung wenden, die seit Wochen seinen sofortigen Rücktritt fordert. Kurz vor der Rede traf der Staatschef mit seinem Stellvertreter Omar Suleiman zusammen. Die Armeeführung tagte bereits ohne ihren Oberkommandierenden Mubarak, der seine Karriere bei der Luftwaffe begonnen hatte.

Mit Mubaraks Rücktritt würde in Ägypten eine Ära zu Ende gehen. Sein sofortiger Amtsverzicht wäre auch ein triumphaler Erfolg für die Demokratiebewegung, die seit Ende Januar gegen Armut und Korruption und für politische Freiheiten auf die Straße geht. Auf dem von Demonstranten besetzten Tahrirplatz brandete Jubel auf, als ein General den bevorstehenden Abgang Mubaraks andeutete.

"Alle eure Wünsche werden in Erfüllung gehen", rief Generalmajor Hassan Roweni der Menge zu und forderte sie auf, die Nationalhymne zu singen. "Das Volk will das Ende des Regimes. Das Regime ist gestürzt", erwiderten die Demonstranten. Andere erklärten, sie würden den von Panzern umstellten Platz erst verlassen, wenn ihre Forderungen nach Freiheit und Demokratie erfüllt seien. Die Protestbewegung hat für Freitag zu weiteren Demonstrationszügen unter anderem zum Gebäude des staatlichen Rundfunks und Fernsehens aufgerufen.

"Zivil, zivil - wir wollen es nicht militärisch", machten andere Protestierer ihre Forderung nach einer frei gewählten Zivilregierung Luft. Offen ist, ob die Armee, die seit sechs Jahrzehnten den Staatschef stellt und die auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor ist, die Forderung akzeptieren wird. Ein hoher Vertreter der oppositionellen und bis vor kurzem verfolgten Muslimbruderschaft warnte vor einer Militärdiktatur. "Es sieht nach einem Putsch aus", sagte Essam al-Erian Reuters. Das Problem sei nicht der Präsident, sondern das Regime.

Auch Ministerpräsident Ahmed Schafik und andere Spitzfunktionäre äußerten die Erwartung, dass der Präsident gehen werde. Die Lage der Nation werde sehr schnell geklärt werden, sagte Schafik der britischen BBC.

Derweil beriet nach Berichten des staatlichen Fernsehens die Armeeführung über die Zukunft des bevölkerungsreichsten arabischen Landes. Den Fernsehbildern war zu entnehmen, dass die Sitzung ohne Mubarak und Suleiman stattfand. Das Treffen wurde vom Verteidigungsminister geleitet. Der US-Sender CNN meldete, Mubarak habe seinen Posten als Oberkommandierender der Streitkräfte an die Armee zurückgegeben.

Zuletzt hatten die USA den Druck auf Mubarak erhöht. Die Führung in Kairo müsse deutlicher als bisher auf die Forderungen der Demonstranten nach einem politischen Wandel eingehen, erklärte Präsidialamtssprecher Robert Gibbs am Mittwoch in Washington.