Proteste im Nahen Osten lassen nicht nach

Sonntag, 3. April 2011, 16:13 Uhr
 

Amman/Sanaa (Reuters) - Die Menschen im Nahen Osten lassen sich nicht von ihrer Forderung nach Freiheit abbringen. Im Jemen, in Syrien und im Sultanat Oman setzten Tausende am Wochenende ihre Proteste fort.

Dabei wurden im Jemen nach Angaben von Medizinern zwei Menschen getötet. Insgesamt zehn Menschen seien von Schüssen getroffen und mehr als 100 verletzt worden, sagte ein Arzt in der Stadt Tais südlich der Hauptstadt Sanaa. Die Polizei ging am Sonntag mit scharfer Munition, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor.

"Gepanzerte Fahrzeuge und Panzer haben uns eingekesselt", sagte der Demonstrant Buschra al-Maktari in Tais. "Sie haben drei Stunden lang versucht, unseren Protest zu beenden."

Präsident Ali Abdullah Saleh rief die Opposition zum Ende der Protestaktionen auf. Er sei zum Machtwechsel bereit, dieser müsse aber friedlich sein und sich im Rahmen der Verfassung bewegen, erklärte er am Samstag bei einer Massenkundgebung von Anhängern in der Hauptstadt. Zu einem neuen Vorschlag der Opposition für einen geordneten Übergang äußerte sich Salehs Lager zunächst nicht. Der mehrere Punkte umfassende Katalog liege nicht vor, hieß es lediglich. Salehs Gegner schlagen die Einsetzung eines Vizepräsidenten vor, der die Befugnisse des langjährigen Staatschefs übernehmen soll. Außerdem sollen eine Regierung der nationalen Einheit gebildet und Wahlen vorbereitet werden.

SYRISCHER PRÄSIDENT ASSAD BEAUFTRAGT BILDUNG NEUER REGIERUNG

In einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus nahmen Augenzeugen zufolge am Sonntag Tausende Demonstranten an der Beerdigung von acht Mitstreitern teil, die bei Protesten am Freitag getötet worden waren. "Freiheit, Freiheit", riefen sie, während sie die in syrische Fahnen gehüllten Leichen zum Friedhof von Duma begleiteten. "Das syrische Volk ist eins." "Duma kocht", sagte einer der Aktivisten. "Die Männer hier stellen fest, dass sie sich zu Hause verstecken, während ihre Frauen auf die Straße gehen und festgenommen werden."

In der Nacht brachte die Sicherheitspolizei rund 50 Verletzte in den Ort zurück, der etwa 15 Kilometer nördlich vom Zentrum der Hauptstadt Damaskus liegt. Nach den Freitagsgebeten waren in mehreren Städten Tausende Demonstranten auf die Straße gezogen und hatten ein Ende der Korruption unter der autoritären Regierung von Präsident Baschar al-Assad gefordert.

Assad beauftragte am Wochenende den bisherigen Landwirtschaftsminister Adel Safar mit der Bildung einer neuen Regierung. Er hatte das Kabinett am Dienstag aufgelöst und damit auf die anhaltenden Proteste reagiert. Insgesamt sind in Syrien der Opposition zufolge bislang 60 Demonstranten getötet worden.

ZUSAMMENSTÖSSE AUCH IM SULTANAT OMAN

Im arabischen Sultanat Oman nahm die Polizei Dutzende Demonstranten fest. 50 bis 60 Menschen seien in Gewahrsam genommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Samstag mit. Die Demonstranten hätten in der südlichen Industriestadt Sohar am Freitag Steine auf die Polizei geworfen und Sicherheitskräfte mit Messern angegriffen. Die Polizei schoss mit Gummigeschossen auf die Demonstranten und setzte Schlagstöcke sowie Tränengas ein. Ein 25-jähriger Mann erlag seinen Schussverletzungen.

In Bahrain verbot die Regierung die größte Zeitung der Opposition und warf ihr vor, falsch über die jüngsten Proteste und die Reaktion der Armee darauf zu berichten. "Das ist eine direkte und absichtliche Gefährdung der Sicherheit und Stabilität des Königreichs", hieß es. Die Regierung hat für den Kampf gegen die Proteste saudiarabische Truppen zur Hilfe gerufen.

 
<p>Public school teachers demanding pay rise shout slogans after army soldiers blocked them during a demonstration in Sanaa April 3, 2011. Two Yemenis died and hundreds were hurt on Sunday when police used live rounds, tear gas and batons to try to break up protests against Saleh, who called for an end to weeks of unrest. REUTERS/Khaled Abdullah (YEMEN - Tags: POLITICS CIVIL UNREST MILITARY EDUCATION EMPLOYMENT BUSINESS)</p>