Weltweit Erleichterung über Osama bin Ladens Tod

Montag, 2. Mai 2011, 19:21 Uhr
 

Washington/Berlin (Reuters) - Weltweit haben Staats- und Regierungschefs den Tod von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden als Meilenstein im Kampf gegen den internationalen Terrorismus begrüßt.

In die Erleichterung über die Tötung des meistgesuchten Extremisten mischte sich am Montag aber auch die Sorge vor Racheakten. So drohten die Taliban der pakistanischen Regierung und den USA mit unmittelbarer Vergeltung.

"Der Tod bin Ladens ist der bisher bedeutendste Erfolg im Kampf unserer Nation gegen Al-Kaida", sagte US-Präsident Barack Obama am Sonntagabend in einer Fernsehansprache, in der er die Weltöffentlichkeit über den Tod bin Ladens informierte. Von einem Sieg über Al-Kaida sprach Obama allerdings nicht. Der Tod des Extremistenführers sei nicht das Ende der US-Anstrengungen im Kampf gegen den Extremismus. "Es gibt keinen Zweifel, dass Al-Kaida weitere Anschläge gegen uns plant", sagte Obama. "Wir müssen und werden zu Hause und im Ausland wachsam sein." Vor dem Weißen Haus in Washington und am Ground Zero in New York versammelten sich Tausende US-Bürger zu spontanen Jubelfeiern.

Obamas Vorgänger George W. Bush, in dessen Amtszeit die Anschläge von 2001 fielen, äußerte seine Genugtuung: "Der Kampf gegen den Terrorismus geht weiter, aber heute Abend hat Amerika eine unmissverständliche Nachricht gesandt: Egal, wie lange es dauert, Gerechtigkeit wird einkehren." Obama hatte zuvor Bush in einem persönlichen Telefonat die Todesnachricht überbracht. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte einen weiterhin entschiedenen Kampf der USA gegen das Extremisten-Netzwerk an und rief die Taliban in Afghanistan zur Abkehr von Al-Kaida auf.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erinnerte an das Leid, das Al-Kaida mit den Anschlägen auf die Zwillingstürme des World Trade Centers über seine Stadt gebracht hatte: "Die New Yorker haben fast zehn Jahre auf diese Nachricht gewartet. Meine Hoffnung ist es, dass sie einen Abschluss und etwas Genugtuung für all diejenigen bringt, die Angehörige am 11. September 2001 verloren haben." UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem Wendepunkt im Kampf gegen den Terrorismus.

MERKEL - TERRORISMUS IST DAMIT NOCH NICHT BESIEGT

In Europa löste die Nachricht ebenfalls Erleichterung aus. Der britische Premierminister David Cameron sprach von einem großen Erfolg: "Osama bin Laden war verantwortlich für die schlimmsten terroristischen Gräueltaten, die die Welt je gesehen hat - für den 11. September und für so viele Anschläge, die Tausende Menschenleben gekostet haben, davon viele britische."

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, mit der Tötung bin Ladens sei den USA ein entscheidender Schlag gegen Al-Kaida gelungen. "Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten", sagte Merkel. Besiegt sei der internationale Terrorismus damit aber noch nicht. "Wir alle werden wachsam bleiben müssen." Dies zeigten auch die jüngsten Festnahmen von drei mutmaßlichen Al-Kaida-Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen.

Wie Obama erinnerte Merkel daran, dass bin Laden nicht im Namen des Islam gekämpft, sondern in Wirklichkeit die Grundwerte aller Religionen verhöhnt habe. Außenminister Guido Westerwelle bezeichnete bin Laden als "einen der brutalsten Terroristen der Welt" und warnte die Bevölkerung vor Racheakten. Das Auswärtige Amt mahnte zu erhöhter Vorsicht bei Auslandsreisen.

Die pakistanische Regierung sprach von einem "herben Rückschlag für Terror-Organisationen" weltweit. Unklar blieb, ob die pakistanische Armee an dem nächtlichen Einsatz eines US-Spezialkommandos beteiligt war und ob sie im Vorfeld überhaupt darüber informiert wurde. Die Tatsache, dass die Regierung erst nach mehreren Stunden eine Stellungnahme abgab, deutete daraufhin, dass sie von der Nachricht überrascht wurde. Afghanistans Präsident Hamid Karsai wertete den Tod bin Ladens als einen Warnschuss für die mit Al-Kaida verbündeten Taliban: "Die Taliban müssen ihre Lektion daraus lernen."

Die pakistanischen Taliban drohten Pakistan und den USA mit Vergeltung. Als erstes würden führende pakistanische Politiker, allen voran Präsident Asif Ali Zardari, und Vertreter des Militärs angegriffen. An zweiter Stelle stünden die USA. Die im Gazastreifen regierende Hamas-Regierung bezeichnete bin Laden als "heiligen Krieger der arabischen Welt". Mit der Tötung setzten die USA ihre Politik der Unterdrückung fort, erklärten die Islamisten.

 
<p>Titelseiten US-amerikanischer Zeitungen in einem B&uuml;ro des Wei&szlig;en Hauses in Washington am 2. Mai 2011. REUTERS/Jason Reed</p>