Japan will an Atomkraft festhalten

Sonntag, 8. Mai 2011, 16:00 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Japan will trotz der Atomkatastrophe von Fukushima und zunehmender Proteste in der Bevölkerung an der Kernkraft festhalten.

Vize-Regierungssprecher Yoshito Sengoku sagte am Sonntag, Japan sei weiter von der Atomkraft überzeugt. Befürworter eines Ausstiegs hatten Hoffnung auf eine Energiewende geschöpft, nachdem Ministerpräsident Naoto Kan die Anordnung zur Schließung des Kernkraftwerks Hamaoka in einer Erdbebenregion erteilt hatte. Handelsminister Banri Kaieda betonte am Sonntag im Gespräch mit dem Fernsehsender Fuji TV, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien forciert werden müsse. Investitionen darin seien ein Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum. Zugleich sagte Kaieda, dass die Wachstumsziele für die Atomkraft überprüft werden müssten. Bisher strebt Japan an, bis 2030 die Hälfte des Energiebedarfs durch Atomkraft zu decken. Derzeit sind es 30 Prozent.

Am Samstag waren mehrere Tausend Japaner in Tokio auf die Straße gegangen, um für einen Atom-Ausstieg zu demonstrieren. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie "Nie mehr Fukushima" und "Schließt sofort alle Atomkraftwerke". Zugleich begrüßten sie die Anordnung von Ministerpräsident Kan, das Kernkraftwerk Hamaoka aus Sicherheitsgründen zu schließen. Mit der Ankündigung reagierte die Regierung auf Proteste in der Bevölkerung, die seit der durch das Jahrhundertbeben und dem anschließenden Tsunami am 11. März ausgelösten Atomkatastrophe in Fukushima der Kernkraft deutlich kritischer gegenübersteht.

Medienberichten zufolge könnte der von Kan am Freitag bekanntgegebene Abschaltbeschluss der lange ignorierten Anti-Atomkraftbewegung in Japan neuen Auftrieb geben. Allerdings musste sie auch gleich am Wochenende einen Rückschlag verkraften. Kan kündigte am Sonntag vor Reportern an, dass keine weiteren AKW geschlossen würden: "Das wird nicht der Fall sein."

MEDIEN: AKW-BETREIBER CHUBU ENTSCHEIDET MONTAG

Medienberichten zufolge entscheidet das Direktorium des AKW-Betreibers Electric Power am Montag über die Aufforderung, Hamaoka zu schließen. Ein für Samstag angekündigter Beschluss über ein vorübergehendes Runterfahren des Meilers wurde verschoben. Kan kann das Unternehmen nicht zwingen, seiner Aufforderung nachzukommen. Im Direktorium von Chubu sitzen auch Vertreter von Toyota.