Libyen weist Bericht über Flucht von Gaddafi-Frau zurück

Donnerstag, 19. Mai 2011, 14:40 Uhr
 

Tunis/Tripolis (Reuters) - Die Familie des Machthabers Muammar Gaddafi hält sich trotz der Nato-Bombenangriffe nach offizieller Darstellung noch immer in Libyen auf.

"Warum sollten sie woanders sein", sagte Regierungssprecher Chaled Kaim am Donnerstag in Tripolis. Nach Angaben aus tunesischen Sicherheitskreisen und von libyschen Oppositionellen halten sich Gaddafis Frau Safia und seine Tochter Aischa dagegen in Djerba auf, einer bei Touristen beliebten Insel im Mittelmeer. Der Sprecher dementierte zudem, dass sich der Chef des staatlichen Ölkonzerns NOC, Schokri Ghanem, abgesetzt habe. Sollte er außer Landes sein, werde er zurückkehren, sagte der Sprecher. Beweise für den Verbleib der drei Mitglieder des inneren Kreises um Gaddafi wurden aber nicht vorgebracht.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte von libyschen Rebellen und aus tunesischen Regierungskreisen erfahren, dass Ghanem Libyen über Tunesien verlassen habe. Sein Aufenthaltsort ist unklar. Gaddafi ist wegen der Nato-Angriffe und der monatelangen Kämpfe mit Rebellen in die Enge getrieben. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte am Donnerstag, militärischer und politischer Druck sowie die Unterstützung der Opposition würden zu einem Zusammenbruch des Machtapparates Gaddafis führen. Die Nato habe nicht die Ansicht, ihre Strategie in Libyen zu ändern oder gar Bodentruppen zu entsenden. Über die berichteten Absetzbewegungen von Angehörigen aus dem inneren Führungskreis lägen ihm keine Informationen vor, sagte Rasmussen.

Die Nato setzt nach eigener Darstellung mit ihren Angriffen eine UN-Resolution zum Schutz der libyschen Bevölkerung um. Die Staatsführung in Tripolis bestreitet Angriffe auf Zivilisten. Man gehe gegen bewaffnete Banden und Extremisten der Al-Kaida vor. Das Thema Libyen kommt voraussichtlich auf dem Treffen der acht führenden Industrienationen (G8) in der kommenden Woche im französischen Badeort Deauville zur Sprache. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy war einer der wichtigsten Befürworter des Einsatzes.