Festnahmen nach Protesten von Mladic-Anhängern in Serbien

Montag, 30. Mai 2011, 13:35 Uhr
 

Belgrad (Reuters) - In Serbien sind nach den gewaltsamen Protesten gegen die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic offiziellen Angaben zufolge 180 Anhänger des Ex-Generals festgenommen worden.

Während der Ausschreitungen am Sonntagabend seien 32 Polizisten und elf Demonstranten verletzt worden, teilte die Polizei am Montag mit. Zudem seien Autos und Geschäfte beschädigt worden.

Die Serbische Radikale Partei hatte am Wochenende aus allen Landesteilen Nationalisten in Bussen in die Hauptstadt Belgrad gebracht. Dort protestierten sie gegen die Festnahme Mladics am Donnerstag. Viele der Demonstranten waren noch jung, einige von ihnen waren zu Zeiten des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 noch nicht geboren. "Wir sind hier, um diesen Verrätern zu zeigen, wie echte Serben einen serbischen Helden verteidigen", sagte ein Teilnehmer. Auf Plakaten war zu lesen: "Heuchler und Verräter haben unseren Helden festgenommen."

Unter den Demonstranten war auch der Sohn des Angeklagten. "Ratko Mladic ist kein Krimineller, er hat die Morde nicht angeordnet. Er verteidigte sein Volk in einer ehrenhaften, gerechten und professionellen Weise", rief Darko Mladic den Unterstützern zu. Mladics Familie und sein Anwalt haben erklärt, dass der frühere General psychisch instabil und zu krank für einen Prozess sei. Der Verteidiger will nach eigenen Aussagen am Montag gegen die Auslieferung an das UN-Tribunal in Den Haag Berufung einlegen. Am Freitag hatte das serbische Kriegsverbrechertribunal entschieden, der Gesundheitszustand Mladics erlaube eine Überstellung.

Mladic war nach 16 Jahren auf der Flucht am Donnerstag festgenommen worden. Der frühere General der bosnischen Serben wurde vom Haager UN-Kriegsverbrechertribunal unter anderem wegen des Massakers in der bosnischen Stadt Srebrenica 1995 angeklagt. Für viele seiner Landsleute ist er bis heute ein Held.