Marine beschießt syrische Hafenstadt - 26 Tote

Montag, 15. August 2011, 07:26 Uhr
 

Amman (Reuters) - Syrien hat den Beschuss von dicht besiedelten Wohnvierteln der Hafenstadt Latakia fortgesetzt.

Nach Berichten von Augenzeugen und Menschenrechtsgruppen wurden neben Panzern auch Kriegsschiffe eingesetzt. Dabei kamen nach Angaben der Syrischen Nationalen Organisation für Menschenrechte mindestens 26 Zivilisten ums Leben. Darunter befinde sich auch ein zweijähriges Mädchen.

Seit dem Beginn des Fastenmonats Ramadan am 1. August hat Präsident Baschar al-Assad die Offensive gegen die Regimegegner verstärken lassen. Täglich wagen sich dennoch rund 20.000 Menschen aus Protest gegen Assad auf die Straße. Sie fordern dessen politisches Ende. Assads Familie führt das Land seit 41 Jahren.

Augenzeugen sagten, das Vorgehen der Marine gegen Latakia sei eines der Schlimmsten seit Beginn des Aufstandes. "Jeder, der den Kopf aus dem Fenster hält, riskiert, erschossen zu werden", sagte er. "Ich kann den Umriss von zwei grauen Schiffen sehen", berichtete ein Zeuge aus Latakia, dem wichtigsten Mittelmeerhafen Syriens. Von dort würden die beiden Wohnviertel beschossen, sagte der Augenzeuge. In der Stadt sind seit drei Monaten auch Panzer aufgezogen, um Demonstrationen gegen Assad niederzuschlagen.

Die staatliche Nachrichtenagentur dementierte, dass Latakia vom Meer aus angegriffen worden sei. Ihren Angaben zufolge wurde zwei Polizisten sowie vier nicht identifizierte, bewaffnete Männer getötet. Assad hat wiederholt von aus dem Ausland gesteuerten Verschwörungen gesprochen, um das syrische Volk zu spalten. Die Behörden geben Terroristengruppen die Schuld an dem Blutvergießen.

Erst am Freitag wurden nach Angaben einer Menschenrechtsgruppe landesweit 20 Menschen bei Protestmärschen erschossen. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wurden seit Beginn des Volksaufstands mindestens 2000 Menschen getötet.

US-Präsident Barack Obama und der saudiarabische König Abdullah wiederholten ihre Forderungen nach einem Ende der Gewalt. Syrien hat ausländische Journalisten des Landes verwiesen, deswegen ist eine unabhängige Überprüfung der Darstellungen nicht möglich.

 
<p>Smoke rises in the city of Latakia August 14, 2011. REUTERS/Handout</p>