Deutschland und Russland warnen vor Schlag gegen Iran

Dienstag, 8. November 2011, 07:09 Uhr
 

Berlin/Moskau (Reuters) - Im eskalierenden Atomstreit mit dem Iran haben Russland und Deutschland am Montag vor einem Angriff auf die Islamische Republik gewarnt.

"Ich warne davor, militärische Optionen in den Raum zu stellen", sagte Außenminister Guido Westerwelle. Jenseits aller gefährlichen Weiterungen für die Region seien das Debatten, die die iranische Regierung eher stärkten statt schwächten. Auch Westerwelles russischer Kollege Sergej Lawrow warnte vor einem Militärschlag, der ein "sehr schwerer Fehler mit unvorhersehbaren Folgen" wäre.

Medienberichten zufolge gibt es israelische Pläne für einen Einsatz gegen iranische Atomanlagen. Ein für diese Woche erwarteter Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA belegt nach Informationen der "Washington Post", dass der Iran mit Hilfe ausländischer Wissenschaftler die entscheidenden Schritte zum Bau einer Atombombe geschafft hat.

Westerwelle deutete im "Hamburger Abendblatt" (Dienstagausgabe) die Möglichkeit weiterer Sanktionen an. "Es ist klar: Wenn der Iran nicht kooperiert, wird die internationale Gemeinschaft nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Über die Antwort müsse nach Übergabe des IAEA-Berichts entschieden werden. Der Iran sei in der Pflicht, Einzelheiten seines Atomprogramms offenzulegen.

Berichte israelischer Medien, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu treibe Pläne für einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen voran, bezeichnete Westerwelles Sprecher Andreas Peschke als Spekulationen, die er nicht interpretieren wolle. Hintergrund der zunehmenden Sorgen in Israel sind Berichte über Fortschritte des Irans bei der Atombombentechnologie. "Das iranische Atomprogramm ist die Ursache vielfältiger Spannungen", sagte Peschke. Der Iran müsse endlich glaubhaft belegen, dass das Land nicht an der Entwicklung von Atomwaffen arbeite.

Die Islamische Republik bestreitet dies, lehnt jedoch internationale Kontrollen ihrer Atomanlagen ab. In Israel wird diese Entwicklung als Bedrohung gesehen, da der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad dem jüdischen Staat wiederholt das Existenzrecht abgesprochen hat.

Bereits am Wochenende hatte Frankreich vor einem Militärschlag gegen den Iran gewarnt. Härtere Sanktionen der Vereinten Nationen, die sich jetzt gegen die iranische Öl- und Gasindustrie richten könnten, sind indes nicht zu erwarten. Grund sei die ablehnende Haltung der Vetomächte Russland und China, erklärten westliche Diplomaten in New York. Als Alternative seien Strafmaßnahmen der USA und der EU denkbar.