Iran hält Druck im Konflikt um Atom-Sanktionen aufrecht

Sonntag, 4. Dezember 2011, 14:57 Uhr
 

Teheran/Jerusalem (Reuters) - Der Iran versucht im Streit um verschärfte Sanktionen wegen seines Atomprogramms den Druck aufrechtzuerhalten.

Die Regierung in Teheran warf Großbritannien am Wochenende vor, seine europäischen Verbündeten in den Konflikt hineinzuziehen. Hier gehe es aber allein um ein Problem zwischen London und Teheran, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Zugleich warnte er den Westen vor drastisch steigenden Ölpreisen, sollten die Europäer wie geplant den Import des Rohstoffes aus dem Iran stoppen. "Sobald eine solche Sache ernsthaft vorangetrieben wird, wird der Ölpreis auf mehr als 250 Dollar hochschnellen", betonte er. Das wäre mehr als das Doppelte des heutigen Preises.

Wenige Tage nach dem Sturm der britischen Botschaft in Teheran durch aufgebrachte Demonstranten verübten in Bahrain Unbekannte einen Bombenanschlag auf die dortige Vertretung des Vereinigten Königreichs. Offiziellen Angaben zufolge wurde niemand dabei verletzt, auch das Botschaftsgebäude sei unbeschädigt geblieben, erklärte ein britischer Diplomat. Der Sprengsatz wurde Angaben des Innenministeriums zufolge an einem Auto vor dem Gelände platziert. Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar.

IRANISCHE DIPLOMATEN KEHREN AUS GROSSBRITANNIEN ZURÜCK

"Die britische Regierung versucht, das Problem zwischen uns beiden auf andere europäische Länder auszuweiten", kritisierte der Sprecher des iranischen Außenministeriums laut einer Meldung der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. "Aber natürlich haben wir die europäischen Staaten aufgefordert, ihre Beziehungen zu uns nicht zum Gegenstand der Art von Problemen zu machen, die zwischen dem Iran und Großbritannien herrschen."

Der Sprecher äußerte sich am Teheraner Flughafen Mehrabad, wo die aus Großbritannien ausgewiesenen iranischen Diplomaten am Samstag eintrafen. Sie wurden von rund einhundert Demonstranten mit Slogans wie "Tod für England" empfangen. Nach dem Sturm seiner Botschaft hatte Großbritannien die iranischen Vertreter ausgewiesen und seine eigenen Diplomaten zurückgerufen. Auch Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande holten ihre Botschafter aus Teheran nach Hause.

Nach Großbritannien hat am Donnerstag auch die gesamte EU härtere Sanktionen auf den Weg gebracht, um den Iran zu einer Offenlegung seines Atomprogramms zu bewegen. Der Westen hat die Regierung in Teheran im Verdacht, an Atomwaffen zu arbeiten. Der Iran hat diesen Vorwurf stets zurückgewiesen.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad bekräftigte, dass seine Regierung dem Druck aus dem Ausland nicht nachgeben werde. "Wir halten mit aller Macht an den Prinzipien und Werten unserer Revolution fest, selbst wenn die ganze Welt sich gegen uns erhebt", hieß es in Äußerungen, die am Samstag auf seiner Internetseite veröffentlicht wurden. Es war das erste Mal, dass sich der Präsident seit dem Sturm auf die britische Botschaft am Dienstag zu Wort meldete. Der Vorfall hat Risse in der iranischen Führung offenbart: Während sich das Außenministerium umgehend für das Vorgehen der Demonstranten entschuldigte, wurde die Tat von Kritikern Ahmadinedschads als Ausdruck des Volkszorns gelobt.

- von Parisa Hafezi und Ramin Mostafavi