TOP-THEMA-Kreuzfahrtschiff kentert vor Italien - Drei Tote

Samstag, 14. Januar 2012, 16:15 Uhr
 

Porto Santo Stefan/Frankfurt (Reuters) - Bei der dramatischen Havarie eines Kreuzfahrtschiffes vor der italienischen Küste sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen.

Die "Costa Concordia" kippte am Samstag auf die Seite, nachdem sie Stunden zuvor mit mehr als 4200 Personen an Bord in ruhiger See nur wenige hundert Meter vor der Insel Giglio auf eine Sandbank gelaufen war. Bis zum Nachmittag wurden noch immer 50 Menschen vermisst. Mindestens zwölf Menschen wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt. Unter den Touristen an Bord brach Panik aus. Einige Passagiere sprangen ins kalte Wasser, um an Land zu schwimmen. Giglio liegt auf der westlichen Seite des Stiefels vor der Küste der Toskana.

Nach Angaben des Schiffsbetreibers waren 566 Deutsche an Bord. Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse sei keiner von ihnen ums Leben gekommen, sagte Werner Claasen, Sprecher von Costas Deutschland, am Nachmittag Reuters. Möglicherweise seien aber einige von ihnen leicht verletzt. Die Überlebenden seien auf dem Weg nach Rom und würden von dort in ihre Heimat ausgeflogen.

Die Gruppe der Deutschen war nach seinen Angaben eine der größten an Bord. Knapp ein Drittel der rund 3200 Passagiere stammten dem Veranstalter zufolge aus Italien, etwa 160 Gäste aus Frankreich. Bei Deutschlands größtem Reisekonzern TUI hatten nach Angaben eines Sprechers 14 Touristen aus der Schweiz Plätze auf der "Costa Concordia" gebucht. Die Gäste der TUI-Marke Vögele Reisen seien an Land und wohlauf, sagte der Sprecher am Samstag. Auf dem Schiff arbeiteten zudem rund tausend Besatzungsmitglieder.

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Opfer gefunden werden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Samstag. Offenbar hatten die Einsatzkräfte keinen Überblick über die Passagierlisten. "Das ist ein komplexer Einsatz", sagte der Polizeichef der nahegelegenen Stadt Grosseto, Giuseppe Linardi. "Vielleicht sind einige Passagiere ins Wasser gesprungen und wurden nicht von den Rettern aufgegriffen, andere haben vielleicht Schutz bei Privatleuten gefunden und sind deswegen noch nicht identifiziert."

In der Nacht waren Rettungsboote, Hubschrauber und Schiffe stundenlang mit der Evakuierung des 290 Meter langen Schiffes beschäftigt. Die Feuerwehr habe 40 Helfer im Einsatz, sagte ihr Sprecher Luca Cari am Samstagmittag weiter. "Wir warten noch auf Teams aus Spezialtauchern, die alle Innenräume des Schiffs absuchen sollen."

Aufnahmen zeigten einen riesigen Riss an der Seite des Schiffes. Es lag auf der Steuerbordseite und etwa zur Hälfte unter Wasser, ohne dass der Schornstein die Meeresoberfläche berührte. Die "Costa Concordia" werde nicht weiter sinken, betonte die Küstenwache.

Nach Angaben von Passagieren ereignete sich das Unglück während des Abendessens. "Wir hatten uns gerade zu Tisch gesetzt, als wir diesen lauten Knall hörten", sagte Maria Parmegiano Alfonsi im italienischen Fernsehen. "Ich denke, wir sind auf einen Felsen aufgelaufen. Es herrschte große Panik, Tische kippten um, Gläser flogen durch die Gegend und wir sind an Deck gerannt, um unsere Schwimmwesten anzulegen." Ein anderer Gast sagte: "Der Strom fiel aus und alle schrien laut auf. Alle rannten auf und ab und dann zu ihren Kabinen, um herauszufinden, was passiert ist." Mehrere Passagiere kritisierten das Krisenmanagement an Bord. "Es hieß, wir sollten uns ruhig verhalten, es wäre nichts geschehen", sagten sie. "Es gäbe nur ein elektrisches Problem oder irgendeinen Stromausfall." Ein Vertreter der Küstenwache wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Das schwimmende Hotel mit mehreren Pools, Kinos und einer Diskothek kenterte auf der ersten Etappe der Kreuzfahrt, die von Civitavecchia bei Rom nach Savona führen sollte. Als weitere Stationen waren Marseille, Barcelona, Palma de Mallorca, Cagliari und Palermo geplant. Das Schiff wird von der in Genua ansässigen Reederei Costa Cruises betrieben, einer Tochtergesellschaft des Kreuzfahrtkonzerns Carnival. Das US-Unternehmen zählt zu den Branchenriesen und besitzt unter anderem den deutschen Marktführer Aida.