TOP-THEMA-Fed garantiert billiges Geld bis Ende 2014

Donnerstag, 26. Januar 2012, 08:21 Uhr
 

Washington (Reuters) - Historische Entscheidungen bei der US-Notenbank in Washington: Die Fed will ihre Nullzinspolitik für weitere rund drei Jahre beibehalten und damit deutlich länger als an den Finanzmärkten erwartet.

Vor Ende 2014 sei wegen der konjunkturellen Malaise der Vereinigten Staaten wahrscheinlich nicht mit einer Erhöhung des aktuell bei 0 bis 0,25 liegenden Leitzinses zu rechnen, teilte die Federal Reserve am Mittwoch nach einer Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) mit. Notenbankchef Ben Bernanke betonte jedoch, die Fed wolle "kein bedingungsloses Versprechen" abgeben, wie lange sie den Leitzins tatsächlich noch so niedrig halten wird. Der Fed-Chef sagte, sollte sich der Arbeitsmarkt nicht wie erhofft erholen und die Inflationsrate niedriger als von den Notenbankern gewünscht ausfallen, sei die Zentralbank bereit, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

Dies hänge davon ab, wie schnell die Konjunktur wieder rund laufe. Er könne der Wirtschaft nicht bescheinigen, dass sie bereits in einer stärkeren Phase sei, sagte Bernanke. Und selbst wenn sich die Konjunktur leicht bessern würde, wären die aktuell niedrigen Zinsen seiner Ansicht nach weiterhin sinnvoll. Auch weitere Anleihenkäufe seien denkbar, sollte die Erholung zu lange dauern. Der Dollar gab wegen der Aussicht auf weitere Jahre mit sehr niedrigen Zinsen zum Euro nach, während die Kurse von US-Staatsanleihen und die Aktiennotierungen an der Wall Street etwas zulegten.

NOTENBANK-FÜHRUNG GESPALTEN

Bernanke musste einräumen, wie gespalten die Führung der mächtigsten Notenbank der Welt ist: bei den erstmals individuell veröffentlichten Erwartungen der Top-Notenbanker zeigte sich, dass immerhin drei der zehn FOMC-Mitglieder schon dieses Jahr gerne den Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Target Rate), den Leitzins, wieder erhöhen würden. Sechs Zentralbanker wollen damit allerdings bis 2015 oder sogar 2016 warten und damit noch länger als die nun geltende offizielle Linie.

Bislang hatte sich die Fed darauf festgelegt, den Leitzins bis "Mitte 2013" auf dem gegenwärtigen rekordniedrigem Niveau zu halten. Ein wegen des Rotationsverfahrens erst seit Anfang Januar im FOMC vertretener Notenbanker und bekennender Gegner einer laxen Geldpolitik, der Chef der regionalen Fed von Richmond, Jeffrey Lacker, votierte gegen die extrem lange Festlegung auf das rekordniedrige Zinsniveau. Dieses hält die Fed nun schon seit Dezember 2008.

Die Fed äußerte sich trotz einiger zuletzt überraschend gut ausgefallenen Konjunkturdaten weiterhin pessimistisch zu Lage und Perspektiven der US-Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit sei ungeachtet jüngster Anzeichen einer Verbesserung weiterhin viel zu hoch.

SCHON BALD QE3?

Das Portfolio im Zuge der Krise angekaufter Wertpapiere - hauptsächlich Staatsanleihen und Immobilienpapiere - werde ständig überprüft. Falls nötig könne es angepasst werden. Über weitere Staatsanleihenkäufe - es wäre die dritte Runde (QE3) - sei diskutiert worden, sagte Bernanke. Die Federal Reserve hat durch die Wertpapierkäufe seit 2008 viele Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft gepumpt, zugleich aber im selben Umfang ihre Bilanz aufgebläht. Dies dürfte sich so schnell nicht ändern: Bernanke sagte, die Tatsache, dass der Leitzins wohl nicht vor Ende 2014 steigen werde, bedeute zugleich, dass nicht vor 2015 mit dem Abbau der Bilanz begonnen werden dürfte.

Zusätzlich zu den anderen Neuerungen veröffentlichte die Fed am Mittwoch in einem historischen Schritt zum allerersten Mal in ihrer fast hundertjährigen Geschichte ein Inflationsziel, wie es andere Notenbanken wie die Europäische Zentralbank(EZB) oder die Bank von England längst haben: auch die Federal Reserve peilt nun langfristig eine maximale Steigerung der Preise um zwei Prozent an. Allerdings könne es durchaus Gründe geben, höhere Inflationsraten zuzulassen, sagte Bernanke mit Blick auf die übergeordneten Ziele der Fed. Diese soll im Gegensatz etwa zur EZB nicht nur auf stabile Preise achten, sondern auch für Wirtschaftswachstum und möglichst Vollbeschäftigung sorgen.