Norwegen entschuldigt sich für Rolle beim Holocaust

Freitag, 27. Januar 2012, 17:11 Uhr
 

Oslo (Reuters) - Norwegen hat sich erstmals für die Beteiligung des Landes an der Deportation und Ermordung von Juden während der Nazi-Besatzung entschuldigt.

"Norweger nahmen die Verhaftungen vor, Norweger fuhren die Lastwagen und es geschah in Norwegen", sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg am Freitag zum Internationalen Holocaust-Gedenktag. "Heute ist es nach meiner Ansicht angemessen, unsere aufrichtige Entschuldigung dafür auszusprechen, dass dies auf norwegischem Boden geschehen konnte."

Während der Zeit der deutschen Besatzung ordnete der norwegische Ministerpräsident Vidkun Quisling 1942 die Registrierung von 2100 Juden im Land an. Mehr als ein Drittel von ihnen wurde in die Todeslager deportiert, andere flohen ins Nachbarland Schweden. Die Ideen, die zum Holocaust geführt hätten, seien auch 70 Jahre danach immer noch lebendig, warnte Stoltenberg. "Überall auf der Welt sehen wir, dass Einzelne und Gruppen Intoleranz und Angst verbreiten."

1998 hatte Norwegen die Rolle des Landes beim Holocaust anerkannt, ohne jedoch eine volle Entschuldigung auszusprechen. Rund 60 Millionen Dollar wurden den norwegischen Juden und jüdischen Organisationen als Entschädigung für beschlagnahmtes Eigentum gezahlt.