Merkel dringt in China auf engere Zusamenarbeit

Donnerstag, 2. Februar 2012, 17:18 Uhr
 

Peking (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine engere Zusammenarbeit in Europa und der Welt gefordert, um die Finanzkrise zu bewältigen und eine weitere Eskalation zu verhindern.

"Der gesamte Bereich der Schattenbanken soll besser reguliert werden in den nächsten zwei Jahren", sagte Merkel am Donnerstag in einer Rede vor der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften in Peking. China komme eine große Bedeutung bei den G20-Verhandlungen über eine umfassende Finanzmarktregulierung zu, betonte sie vor mehreren hundert Vertretern aus der chinesischen Finanzwirtschaft und Wissenschaftlern. Dies gelte auch für Chinas Rolle beim Internationalen Währungsfonds. Merkel erklärte, eine übermäßige Staatsverschuldung sei nicht nur in Europa ein Problem. Die Antwort auf die Schuldenkrise sei, dass man enger zusammenrücke.

"Die gemeinsame Währung muss man auch gemeinsam verteidigen", versicherte die Kanzlerin angesichts der weltweiten Skepsis, ob die Euro-Zone ihre Probleme meistern werde. Wenige Tage nach dem EU-Gipfel verwies sie auf die Anstrengungen zum Schuldenabbau und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Merkel räumte ein, dass es in der Euro-Zone einen Widerspruch gegeben habe, weil zwar Regeln für eine solide Haushaltsführung existiert hätten, sich aber viele Staaten nicht daran gehalten hätte. Dieses Problem werde nun etwa durch den auf dem EU-Gipfel Anfang der Woche beschlossenen Fiskalpakt beseitigt, weil Verstöße gegen die nationale Schuldenbremse nun auch vom Europäischen Gerichtshof sanktioniert werden dürfen. Zugleich betonte sie, dass es nötig sei, in der Euro-Zone immer enger miteinander zu kooperieren. "Wir müssen uns Schritt für Schritt auf eine gemeinsame Haushaltspolitik hinbewegen", mahnte sie. "Die Währungsunion hat nicht ausreichende politische Gemeinsamkeiten."

Am Nachmittag wird die Kanzlerin mit Ministerpräsident Wen Jiabao und Präsident Hu Jintao zusammentreffen. Merkel wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Ein Ziel der Reise ist es aber auch, den chinesischen Gesprächspartner deutlich zu machen, dass sie wieder Vertrauen in die Euro-Zone schöpfen können.