Viele Opfer bei Beschuss der syrischen Stadt Homs

Dienstag, 21. Februar 2012, 18:18 Uhr
 

Amman/Beirut (Reuters) - Die syrische Armee hat am Dienstag durch heftigen Dauerbeschuss der Protesthochburg Homs mehr als zwanzig Menschen getötet.

Rund 340 Menschen seien in der abgeriegelten Stadt verletzt worden, berichtete die Opposition. In der Provinz Idlib tötete die Armee Menschenrechtlern zufolge mindestens 33 Menschen. Das Rote Kreuz forderte eine sofortige Waffenruhe. Auf diplomatischen Wegen liefen die Bemühungen auf Hochtouren, Präsident Baschar al-Assad zum Rücktritt zu bewegen und den seit elf Monaten dauernden Konflikt zu beenden. An der für Freitag geplanten Syrien-Konferenz will jedoch Russland nicht teilnehmen; China, dass wie Russland per Veto eine UN-Resolution zu Syrien verhindert hatte, überlegt noch.

EINWOHNER: STÄNDIG SIND EINSCHLÄGE ZU HÖREN

"Jede Minute sind mehrere Einschläge zu hören", berichtete der Oppositionelle Nader al-Husseini aus Homs. Unter den Opfern seien zwei Kinder. Nach Angaben des in London ansässigen Syrischen Netzwerks für Menschenrechte schlugen allein am Morgen mindestens 250 Granaten und Raketen im Stadtteil Baba Amro ein. Die Luftwaffe flog Aufklärungsflüge über der Millionenstadt. Am Boden rückten gepanzerte Fahrzeuge der regulären Truppen vor. Seit Beginn der Offensive gegen Homs am 3. Februar wird die Versorgungslage der Menschen immer dramatischer.

ROTES KREUZ: MINDESTENS ZWEI STUNDEN FEUERPAUSE PRO TAG

Auch Hama, das wie Homs im Westen des Landes liegt, ist abgeriegelt - Soldaten, Polizei und Assad-treue Milizen errichteten Barrikaden, um die einzelnen Stadtteile zu isolieren. In der nördlichen Provinz Idlib, die an die Türkei grenzt, hätten Sicherheitskräfte bei Razzien in mehreren Dörfern mindestens 33 Zivilisten getötet, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. "Die Armee hat das Dorf Abdita gestürmt, in Iblin und Balschun hat sie die Menschen regelrecht gejagt."

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) verhandelte mit den syrischen Behörden und der Opposition über eine kurze Waffenruhe, um der Zivilbevölkerung in den umkämpften Städten dringend benötigte Hilfe zu bringen. IKRK-Chef Jakob Kellenberger sagte, die Waffenruhe solle mindestens zwei Stunden jeden Tag dauern, damit Mitarbeiter der Hilfsorganisation genug Zeit bekämen, um Hilfsgüter zu liefern sowie Verletzte und Kranke in Sicherheit zu bringen.

UN-Menschenrechtler forderten die bedingungslose Freilassung mehrere Oppositioneller und Journalisten. Berichten zufolge seien der Menschenrechtler Masen Darwich, der Blogger Rasan Ghasawi und mindestens 14 andere Regierungskritiker festgenommen worden, erklärten die UN-Experten. Es bestehe die große Sorge, dass sie gefoltert würden. Anscheinend stehe die Festnahme in direktem Zusammenhang mit der Aktivität des Syrischen Zentrums für Presse- und Meinungsfreiheit, dessen Chef Darwich ist.

USA: SYRIEN-KONFERENZ WIRD "TAPFEREM VOLK" HILFE ANBIETEN

Moralische Unterstützung für die Opposition und Druck auf Assad soll die Konferenz der Kontaktgruppe "Freunde Syriens" in Tunis bringen. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, die von den USA und der Arabischen Liga unterstützte Konferenz werde zeigen, dass Assad isoliert sei. Dem "tapferen syrischen Volk" werde Hilfe angeboten. Man werde auch eine klare Botschaft an Russland, China und die anderen unentschiedenen Staaten senden.

Russland erklärte, es werde nicht an der Konferenz teilnehmen, weil nur die syrische Opposition, nicht aber die Regierung vertreten sei. Daher könne das Treffen kaum dazu beitragen, einen gesamt-syrischen Dialog zu beginnen und die interne Krise zu lösen. Statt auf Kritik an seiner Haltung einzugehen, hat Russland seine Waffenlieferungen an Syrien anscheinend aufgestockt: 2011 verkaufte Russland Waffen im Wert von fast einer Milliarde Dollar an Syrien - darunter Raketensysteme. Bei den Kleinwaffen steigerte es seine Lieferungen seit Beginn des Aufstands, wie ein Überläufer aus der Regierung berichtete.