Mindestens 60 Menschen sterben bei Anschlägen in Bagdad

Donnerstag, 23. Februar 2012, 14:41 Uhr
 

Bagdad (Reuters) - Im Irak sind am Donnerstag bei mehreren Bombenanschlägen mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden.

Die Anschläge richteten sich hauptsächlich gegen Schiiten. Seit dem Abzug der US-Truppen haben die Spannungen zwischen den Volksgruppen im Irak zugenommen.

Allein in Bagdad erschütterten während des morgendlichen Berufsverkehrs zehn Explosionen vorwiegend schiitische Stadtteile. Weitere Angriffe richteten sich gegen Polizeistreifen, Pendler und belebte Einkaufsviertel. "Wir saßen in einem Restaurant und aßen Suppe zum Frühstück als die Bombe explodierte", sagte Polizist Ahmed Kadhim der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich habe das Bewusstsein verloren und als ich wieder zu mir kam, sah ich nur Staub und Rauch. Überall waren Menschen und Leichenteile." Allein bei diesem Angriff im Viertel Kadhimija im Norden der Hauptstadt kamen sechs Menschen ums Leben. Gleichzeitig explodierten auch in weiteren Städten des Landes Sprengsätze. Anschläge in Dura, Mossul, Hilla und weiteren Orten richteten sich ebenfalls hauptsächlich gegen Polizisten und Schiiten.

Das irakische Innenministerium machte Al-Kaida und ihr nahestehenden Gruppen für das Blutbad verantwortlich. Die Anschläge erschütterten das Land nur wenige Wochen vor einem geplanten Gipfel der Arabischen Liga in Bagdad. "Die Angriffe zielen auf die konfessionelle Spaltung des irakischen Volkes ab und sollen das Treffen der Arabischen Liga verhindern", sagte Parlamentspräsident Osama al-Nudschaifi.

Erst am Sonntag waren in Bagdad bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiakademie 20 Menschen getötet worden. Zwischenzeitlich hatte die Gewalt im Irak abgenommen. Seitdem die Einheitsregierung von Schiiten, Sunniten und Kurden in einer ernsthaften politischen Krise steckt, sind die Anschläge aber wieder zahlreicher geworden. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte versucht, zwei sunnitische Politiker aus dem Amt zu drängen. Anfang des Jahres kamen bei einer Anschlagsserie - darunter ein Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger - mindestens 73 Menschen ums Leben.