Massenproteste gegen Montis Sparprogramm in Italien

Sonntag, 17. Juni 2012, 11:28 Uhr
 

Rom/Mailand (Reuters) - In Rom haben am Samstag Zehntausende Italiener gegen die Sparpolitik von Ministerpräsident Mario Monti protestiert.

"Wir sind hier, weil das Programm der Regierung zur Vertiefung der Rezession in unserem Land führt", sagte Susanna Camusso, Chefin der größten Gewerkschaft des Landes. Sie und andere Demonstranten forderten die Regierung auf, nicht das Sozialsystem des Landes zu beschneiden, um Schulden abzubauen. Sie solle sich stattdessen darauf konzentrieren, angesichts einer Arbeitslosenquote von über zehn Prozent neue Jobs zu schaffen. Nach Veranstalterangaben beteiligten sich rund 200.000 Demonstranten.

Monti warnte, Italien bewege sich wieder auf ein wirtschaftliches Desaster zu. "Wir waren schon vom Abgrund zurückgetreten", sagte er in der Nähe von Mailand. "Das Loch wird aber größer und droht, uns zu verschlingen. Wir stecken wieder in einer Krise." In Bologna, wo Monti im Laufe des Tages ebenfalls sprach, kam es zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Hunderte warfen mit Eiern, Tomaten, Glasflaschen und sogar Bratpfannen. Nach Polizeiangaben wurden zehn Beamte verletzt.

Monti hat das Amt des Ministerpräsidenten im November von Silvio Berlusconi übernommen und führt seitdem eine überparteiliche Technokratenregierung. Sie hat ein Sparprogramm in Angriff genommen, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen und einen Zusammenbruch wie in Griechenland zu verhindern. Die Maßnahmen haben die Refinanzierungskosten Italiens kurzfristig reduziert. Die Ankündigung von Hilfsmaßnahmen für die spanischen Banken und ein drohender Euro-Austritt Griechenlands haben die Renditen für zehnjährige italienische Staatsanleihen aber wieder auf über sechs Prozent ansteigen lassen. Renditen von über sieben Prozent zwangen Griechenland, Irland und Portugal unter den internationalen Rettungsschirm.