UN-Gesandter: Syrien könnte zweites rechtloses Somalia werden

Dienstag, 6. November 2012, 13:22 Uhr
 

Beirut/Amman (Reuters) - Der UN-Beauftragte Lakhdar Brahimi befürchtet für Syrien dasselbe Schicksal wie für das rechtlose und kollabierte Somalia.

Er sei weniger besorgt, dass Syrien durch den nunmehr seit 19 Monaten dauernden Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad ethnisch und religiös geteilt werde könnte, sagte Brahimi der in London erscheinenden Zeitung "Al-Hayat" vom Dienstag. "Was ich befürchte, ist schlimmer: den Kollaps des Staates und dass Syrien ein neues Somalia wird." In dem Land am Horn von Afrika gibt es seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges 1991 faktisch keine Regierung mehr, in Somalia haben Kriegsherren und Milizen das Sagen.

"Die Menschen sprechen von der Gefahr einer Teilung Syriens", sagte Brahimi, der seit August Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien ist. Die sehe er nicht. "Ich denke, wenn mit der Situation nicht richtig umgegangen wird, dann besteht nicht die Gefahr einer Teilung, sondern einer Somalisierung: der Zusammenbruch des Staates und das Erstarken von Kriegsherren, Milizen und kämpfenden Gruppen."

Der Bürgerkrieg in Syrien begann - inspiriert vom arabischen Frühling - als friedlicher Protest gegen Assads autoritäre Herrschaft. Der Präsident setzte Militär gegen die Demonstranten ein, und in nur wenigen Monaten gingen die Proteste in einen bewaffneten Aufstand über. Auf die Frage, wie lange dieser wohl dauern werde, sagte Brahimi: "Wir alle müssen einer bitteren, schwierigen und erschreckenden Wahrheit ins Auge sehen: dass diese Art Krise ein Jahr, zwei Jahre oder noch länger dauern kann, wenn man ihr nicht richtig begegnet."

In Syrien lieferten sich auch am Dienstag Aufständische und Assads Soldaten Gefechte. Dabei wurde nach Rebellen-Angaben eine wichtige Ölpipeline durch eine Explosion beschädigt. Die Pipeline beliefert eine Raffinerie am Stadtrand von Homs und wurde in der Vergangenheit wiederholt getroffen. Dafür machten Rebellen und Assad-Truppen sich gegenseitig verantwortlich.