Russischer Präsident entlässt Verteidigungsminister

Dienstag, 6. November 2012, 14:35 Uhr
 

Moskau (Reuters) - Russlands Präsident Wladimir Putin hat Konsequenzen aus einer Korruptionsaffäre gezogen und Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow am Dienstag entlassen.

Zum Nachfolger ernannte Putin den früheren Katastrophenschutzminister und Gouverneur der Region Moskau, Sergej Schoigu. "Angesichts der Situation rund um das Verteidigungsministerium und um die Voraussetzung einer objektiven Untersuchung aller Umstände zu ermöglichen, habe ich entschieden, Verteidigungsminister Serdjukow seines Amtes zu entheben", sagte Putin bei einem Treffen mit Schoigu.

Der neue Minister Schoigu hat sich als überaus loyal erwiesen und in fast zwei Jahrzehnten auf hohen Posten wenig politischen Ehrgeiz gezeigt. Als Verteidigungsminister verfügt der 57-Jährige künftig über große Macht. Russland ist nach den USA der zweitgrößte Waffenexporteur der Welt.

Der geschasste Verteidigungsminister wird für Fehler einer Firma seines Ministeriums verantwortlich gemacht. Ermittler hatten im Oktober die Büros des Unternehmens durchsucht und ein Verfahren wegen des Verdachts eingeleitet, es habe Vermögen unter Wert verkauft und dabei Verluste von umgerechnet fast 100 Millionen Dollar gemacht.

Serdjukow hat sich aber auch im Militär durch seine umfassenden Reformen Feinde gemacht. In deren Zuge wurde die Zahl der Offiziere um 100.000 verringert, die Truppen umorganisiert und Korruption auf hoher Ebene aufgedeckt. Die Ermittlungen warfen auch Fragen zu einer Beziehung Serdjukows zu einer Frau auf, die früher eine führenden Posten in der Militärverwaltung bekleidet hatte und in deren Wohnung Dutzende wertvolle Gemälde, Antiquitäten und mehr als 100 Ringe gefunden wurden.